Gegen Smartphone Unfälle: #kopfhoch

Einmal zu viel aufs Handy geschaut und schwupps die Stufe übersehen. Nicht selten stolpert, stürzt, stauchert der Smartphone User im Alltag und das vor allem die junge Generation. Aus einer neuen Studie der TU Braunschweig, die dem NDR vorliegt, geht hervor, dass immer mehr Menschen sich vom Smartphone im Straßenverkehr ablenken lassen. Mit fatalen Folgen!

Auch ABC News hat ein paar merkwürdige Mißgeschicke abgelichtet:

Jeder dritte Fußgänger guckt aufs Handy geht laut einer Studie aus den USA hervor. Dabei wurden Passanten im Straßenverkehr beobachtet. Genauso gingen die Braunschweiger Wissenschaftler auch vor – sie protokollierten bei rund 12.000 Autofahrern die Nutzung des Smartphones am Steuer. 4,5 Prozent von ihnen hatte während der Fahrt das Handy in der Hand. Nicht nur das Telefonieren ist ein Grund, auch die vielzähligen Apps, Messenger und Co. lenken vom Verkehr ab. Schon aus einem Bericht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ging im vergangenen Jahr heraus, dass solche Applikationen neues Gefahrenpotenzial verursachen.

Strengeres Handyverbot und mehr Kontrollen

Gerade bei den jungen Autofahrern zwischen 18 und 24 Jahren ist ein Unfall doppelt so wahrscheinlich wie bei älteren. In einem Beitrag des WDR hat der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg die Ablenkung durch das WhatsApp oder Facebook sogar mit dem Konsum von 0,8 Promille Alkohol verglichen. Deshalb verlangt ein Großteil der Innenminister jetzt eine Erweiterung des Handyverbots am Steuer, wie es aus einer Umfrage des NDR herausgeht. Bis jetzt wird der erwischte Autofahrer mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt bestraft. Der Laptop oder das Tablet sind nämlich (noch) nicht verboten, weitere Vorschriften hat BILD zusammengefasst.

Im Gegensatz dazu fordert  der Vorsitzende der Verkehrministerkonferenz, Christian Pegel (SPD), statt höheren Strafen mehr Kontrollen: „Wir werden den Verfolgungsdruck deutlich erhöhen müssen. Dass der Bußgeldkatalog da uns riesig weiterhilft, solange nicht die echte Sorge begründet ist, dass man ertappt wird – davon gehe ich nicht aus“, sagte er im ZDF.

#kopfhoch

Aus diesem Grund startete N-JOY, das junge Radioprogramm des NDR, eine Kampagne zu mehr Vorsicht am Steuer:

Also #kopfhoch und Augen auf!

Kritik an Lichtern für Belgien

Nach den Terroranschlägen in Brüssel geht die Fahndung nach den Verdächtigen weiter. Bis jetzt bekannt ist, dass die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui sich selbst in die Luft gesprengt haben, ein weiterer Täter, Najim Laachraoui, sei auch noch am Anschlagsort gestorben. Nach dem vierten Verdächtigen wird noch gesucht, er soll auf dem Weg nach Frankreich sein. Alle drei identifizierten Attentäter sind in Belgien geboren und haben Verbindungen zu den Verantwortlichen des Anschlags in Paris vor vier Monaten.

Die Zahl der Toten ist auf über 30 angestiegen, unter den 300 Verletzten sind auch Deutsche. Seit dem Anschlag trauert Belgien um die Opfer – weltweite Anteilsnahme sprachen Länder wie Frankreich, Saudi-Arabien und Mexiko durch die Erleuchtung der Wahrzeichen aus, wie hier in Berlin:

Aber dafür gab es auch Kritik. In vielen Kommentaren fragen die Leser (Berliner Morgenpost), warum nicht auch die Flaggen von Türkei, Syrien oder Kongo, wo auch tausende Menschen Opfer des Terror wurden, an die Gebäude geleuchtet werden. Wie auch Sarah und Theresa bei Twitter:

Dem deklarierten Grund der Solidarität entgegnen viele dass „es den Familien der Opfer doch ganz bestimmt helfe“. Provokant zeigen sich auch viele Fragen, welche Farben denn das nächste Mal dran sind. Die Angst vor einem neuen Anschlag steigt.

Nachwirken meines Hoheneck-Berichts

Vor zwei Jahren besuchte ich mit meiner Volotärsgruppe der Mitteldeutschen Journalistenschule das ehemalige Frauengefängnis in Hoheneck, südwestlich von Chemnitz. Das Leben in der Zelle, wie es den oft unschuldig inhaftierten Frauen erging und was aus der Haftanstalt nach dem Mauerfall geworden ist, beschreibe ich im früheren Blogeintrag hier.

Doch auch heute gibt es immer wieder Rückblicke auf diese bewegende Zeit der DDR. Die Geschichten der Frauen sind auch heute noch aktuell und vor allem wird immer wieder der Frage nachgegangen:

„Wie konnten diese unmenschlichen Strafen und maßlosen Haftzeiten den Frauen angetan werden?“

Auch diesen Donnerstag wird politisch und historisch diskutiert und zwar im Sächsischen Staatsarchiv in Chemnitz. Dafür sind die Veranstalter, u.a. die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, auf meinen Beitrag gestoßen und haben ihn für die Veranstaltungankündigung auf Facebook zitiert. Ich habe mich gefreut, dass ich dem wichtigem Auftrag der Verarbeitung unserer Vergangenheit und Geschichte und dem Dialog zu den Bürger etwas beitragen konnte.

slpb_facebook

Zur Facebookseite des SLpB

Zudem wird diese Zusammenkunft von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Stasi (BStU) veranstaltet. Darin spricht der Historiker Sebastian Lindner über die internen Abläufe und die Rolle des Vollzugspersonals im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck. Auch eine Zeitzeugin ist zum anschließendem Gespräch eingeladen. Die Veranstaltung steht unter dem Thema „Diktatur – Aufarbeitung und Systemvergleich: Das Frauengefängnis Hoheneck und die Stasi„.

Zur Veranstaltung

Das wichtigste im Schulsystem-Streit vergessen

Das absolute Thema der Woche in den Medien. Nainas Tweet über die Kritik an unserem Schulsystem regte die Medien auf.

Nainas Tweet über das Schulsystem

Nainas Tweet über das Schulsystem

Doch was ist da wirklich dran? Irgendwie hat sie ja recht. Wenig von alle dem, das man in der Schule lernt, kann man später im Beruf anwenden. Denn Jobs um BWL, Buchhaltung oder auch Medien – das lernt man einfach nicht in der Schule. Fächer wie Informatik, für das gewisse Medienbewusstsein in unserer heutigen Zeit, oder Wirtschaft sind da schon echte Ausnahmefälle. Genauso wie Recht (klar klingt jetzt trocken und langweilig) aber wer weiß schon welche Rechte man beim Arbeitgeber in Bezug auf Kündigung oder Gehaltsverhandlungen hat. Oder Bewerbungscoaching – wird auch mal schnell in einer Deutschstunde abgehandelt.

Das einzige, was da oft der Ausweg ist, ist Lehrer zu werden. Und das ist bei vielen meiner Freunde zum Beispiel auch der Fall. Die meisten wissen eben nicht, was sie nach 12 Jahren Schule machen sollen. Da wäre ein bisschen mehr Hilfe zur Orientierung in diesen Jahren schlau gewesen, und ja auch günstiger, weil der Staat dann keine drei „Orientierungsjahre“ mit Praktika, Mini-Jobs oder FSJ finanzieren muss. Klar, die bringen einen persönlich weiter. Ich finde es wichtig, sich im Ausland weiter zu entwickeln und selbständig zu werden. Ich war ja auch zum Work and Travel in Australien. Aber trotzdem belastet dieses Gefühl auch viele junge Menschen, nicht zu wissen, wo es mal hingeht, welcher Beruf zu ihnen passt. Und dabei kenne ich das Rentenversicherungssystem in Australien besser als in Deutschland, weil ich mich damit beschäftigen musste. Doch Eigeninitiative hin oder her – welcher 16jährige setzt sich bitte mit einem Versicherungsbuch hin?

Für ihre Kritik hat Naina viel Unterstützung von anderen Medien und Twitter- bzw. Facebook-Nutzern erhalten. 16.000 Mal wurde sie retweetet, also ihr Tweet weitergetragen. Auch Bildungsministerin Johanna Wanka stimmte ihr zu, dieses Thema „mal diskutieren zu müssen“. Aber natürlich muss es ja auch Gegner geben, die Objektivität der Medien bewahrt werden. In der ZEIT schreibt Ulrich Greiner zum Beispiel über die „Schönheit“, die man durch Fächer wie Deutsch, Literatur, Kunst oder Griechisch lernt. Schönheit? Und auch er hat keine Antwort darauf, was uns die unnützen Fächer im Studium oder Leben bringen.

Doch einen anderen Aspekt übersehen viele. Wenn man mal ein bisschen größer denkt, können wir doch alle froh sein in Deutschland überhaupt ein Recht auf Bildung zu haben, eine Sicherheit für alle Kinder in die Schule gehen zu können. Keine Diskriminierung auf das Geschlecht oder die Herkunft. Keine Benachteiligung durch die finanzielle Lage. Dafür sollten wir dankbar sein, denn viele Kinder auf dieser Welt haben das nicht. Ein bisschen dankbarer als Sinah vom theblackshirtblog, die schreibt „Danke für (fast) nichts.“

Es ist ein Zwiespalt. Man kann die Fächer ja auch nicht alle abschaffen (oder mehr drauf tun – in der zehnten Klasse hatte ich auch 37 Schulstunden in der Woche!), aber man sollte das Schulsystem auf die aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen anpassen: mehr Möglichkeiten, Berufsbilder kennen zu lernen für alle Schüler oder Fächer wie Hand- und Hausarbeit. Die meisten Studenten, die ich kenne, können sich gerade mal so Nudeln mit Soße machen und wissen nicht mal richtig, wie man abwäscht. Dafür können sie mit irrealen Zahlen rechnen.

Außerdem sind die Bildungsansprüche in Deutschland pro Bundesland ja schon so unterschiedlich. Der Anspruch der Abiturprüfungen liegt so weit auseinander, da kann man nicht einfach mal die Schule wechseln. Das sollte auf jeden Fall vergleichbarer werden. Dazu noch: Wissen denn die meisten Jugendlichen, wo ihre Kleidung herkommt, wie sie hergestellt wird? Nein, sie sehen nur die billigen Preise bei Primark und freuen sich auf Sale mit 5-Euro-Jeans, an denen sich asiatische Fabrikarbeiter fast vergiftet haben.

Der Trend der Entschleunigung, Selbstversorung und Handarbeit, wie Stricken, kommt nicht irgendwo her. Die Menschen haben genug von Pferdefleischskandalen und eingenähten Notrufen von Primark-Näherinnen. Dann lieber selbst machen und YouTube als Learn-to-do-Kanal benutzen. Da bilden wir uns unser eigenes Schulsystem. Da kann nur noch Doktor Allwissend uns Lebensweisheiten näher bringen. Also, hallo Politiker, schaut doch auch mal YouTube oder so!

Mein Bloggerjahr 2014 im Rückblick

WordPress hat für mich gerechnet und dabei kamen ein paar spannende Ergebnisse heraus!

Ich hatte ungefähr 1900 Aufrufe und habe 58 Bilder hochgeladen, also im Durchschnitt mehr als eins pro Woche.

Ich habe in diesem Jahr 44 neue Blogeinträge geschrieben und der beliebteste war dieser Post hier. Mein bester Bloggertag ist der Mittwoch 🙂

Und am aller spannendsten ist das hier: 18 Länder weltweit haben mein Blog besucht, davon die meisten aus Deutschland, Österreich und den USA, aber auch 10 Aufrufe aus Indien, 8 aus Kanada, 5 aus Australien und 3 aus Finnland… und einer aus Algerien 😀

Meine Besucher aus aller Welt

Meine Besucher aus aller Welt

Na dann frohes Weiterbloggen und einen guten Rutsch euch allen!

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Agenda Setting: Entscheide nur ich, was wichtig ist?

Der Begriff Agenda Setting kommt aus der Medienforschung und beschreibt den Einfluss der Medien in Bezug auf die Themenstruktur und -relevanz. Zum Beispiel durch welchen Beitrag in welcher Größe, Art und Auffälligkeit der Nutzer seine politische Einstellung ändert. „Der Journalist setzt die Themen, die er für wichtig hält, auf die Tagesordnung. He sets the agenda.“, meinte Gregor Gysi mal zu diesem Thema. Diskutiert wird außerdem, ob dies ein individueller oder gesellschaftlicher Faktor ist, also ob das nur die eigene Meinung beeinflusst oder man seine Freunde dadurch informiert und anregt.

Viel mehr für mein Themengebiet „Medien und Politik“ betreffend, steht der Begriff Agenda Building. Dabei wurde die Agenda-Setting-Theorie von den Wissenschaftlern Lang & Lang 1981 weiterentwickelt. Heutzutage ist vor allem interessant, wer die Übermacht hat, die Gesellschaft zu beeinflussen – die Politik, in dem sie die Medien als Mittel zum Zweck benutzt – die Medien, in dem sie die Politiker unter Druck setzen können und entscheiden, was wirklich an die Öffentlichkeit gelangt – oder vielleicht die Nutzer selbst, die durch Social Media, Blogs und Co. immer interaktiver, mobiler und vernetzter werden?

Zum Beispiel für ein Interview bei ZDF heute oder der Tagesschau möchten die Zuschauer wissen, was der Politiker z.B. zur Wahlabstimmung sagt, andererseits muss er auch gut vor der Öffentlichkeit dar stehen, darf nicht das falsche sagen, sonst wirkt er wiederum nicht kompetent. Außerdem kann der Journalist oder Moderator der Nachrichten viel beeinflussen, den Politiker unter Druck setzen. Die Zuschauer und Nutzer können durch ihre Kommentare zum Interview auf Facebook oder Twitter den Politiker weiterhin unter Druck setzen und ein bestimmtes Thema in der Relevanz anheben, da sich immer mehr Menschen aus den sozialen Netzwerken dafür interessieren. Somit bestimmen diese vielleicht das Thema in den nächsten Nachrichten. Aber auch der Politiker mit seinen Aussagen beeinflusst die Themenstruktur dessen.

Dadurch verwischen die Begriffe von Kommunikator/Ursache – Mittel – Rezipient/Effekt – immer mehr.

Die Grenze zwischen Werbung und Journalismus

Der Grat ist schmal. Schnell wird aus einem Veranstaltungstipp im Radio oder Fernsehen eine Art von Werbung… Schleichwerbung? Versteckte Werbung? Oder doch nur eine Empfehlung für die Hörer oder Zuschauer? Es gibt viele Interpretationen. Oft ist so etwas wie Sponsoring oder Produktplatzierung für den Nutzer nicht klar als Werbung zu definieren. Rechtlich steht es unter den sogenannten Sonderwerbeformen. Doch helfen diese, die Erkennung besser zu machen oder wird es nur noch schlimmer? Mehr dazu in meinem Hörbeitrag:

https://soundcloud.com/lisa4media/radiobeitrag

Die im Beitrag behandelten Sonderwerbeformen sind im Radio zum Beispiel mit den Wörter wie „Sponsored by“ oder „wird euch präsentiert von“ erkennbar. Im Fernsehen steht ein kleines P für Product Placement, also Produktplatzierung, das eine materielle Unterstützung für eine Medienproduktion ist, wie z.B. die Bereitstellung von Autos einer bestimmten Marke für den Tatort im ARD.

Bei meiner Recherche habe ich nicht nur mit der ehemaligen Radio-Planungsredakteurin, Gunda Bartels, geredet, sondern auch mit weiteren Spezialisten. Ein Professor an der Hochschule Mittweida für Digitale Medien und Recht, Markus Heinker, hat auch jahrelang im Radio gearbeitet und urteilt ähnlich wie Bartels. Radio sei nicht besser erkennbar oder gar eingeschränkter durch die gesetzlichen Maßnahmen des Rundfunkstaatsvertrag. Auch Christian Wiedemann von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) findet:

„In der Praxis sind werbliche – also bezahlte – Aussagen für den Zuhörer nicht immer leicht zu identifizieren. Deswegen müssen werbliche Inhalte auch als solche kenntlich gemacht werden. Für den Zuhörer muss erkennbar sein, ob er mit redaktionellen Inhalten des Rundfunkveranstalters oder werblichen Botschaften Dritter konfrontiert ist. Letztlich dient dies auch der Glaubwürdigkeit der Rundfunkveranstalter.“

Weiter meint er, dass das Medienrecht nur auf die Entwicklungen der Medienbranche in Richtung Werbung reagiere. Es definiert die verschiedenen Formen und schränkt nicht unbedingt ein. Dr. Jochen Kalka, Chefredakteur von „Werben & Verkaufen (W&V)“ prognostiziert für die Fachzeitschrift „Themen + Frequenzen“, dass Werbung in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung verlieren wird. Er denkt, dass Unternehmen immer mehr an Werbung sparen wollen und nicht die Investition daran sehen. Außerdem spricht er vom Print-Revival in den kommenden Jahren: „Es wird eine Generation kommen, die findet Print einfach nur supergeil.“ Das Fernsehen wird seiner Meinung nach jedoch stark verlieren. Für Werbung wiederum sieht er Hoffnung – nur die besten Werbemacher werden „überleben“ und es geht zurück zur Werbung, die einfach ist und Menschen – nicht nur Figuren – zeigt.

Grenze

Der Radiobeitrag ist durch ein Projekt im Rahmen meines Volontariates bei der Mitteldeutschen Journalistenschule entstanden.

Das große Puzzle Europa

Ein weiterer Artikel im Rahmen der Printakademie der Hanns-Seidel-Stiftung. Umgeschriebener Ausschnitt aus meiner Reportage.

100 Prozent Europa? - dagegen wählten viele Bürger am Sonntag bei der Europawahl

100 Prozent Europa? – dagegen stimmten viele Bürger am Sonntag , den 25. Mai, bei der Europawahl

Zwischen Vielfalt, Demokratie und Nationalität. Die Europäische Union hat sich durch die Wahlen am vergangenen Sonntag neu strukturiert. Konservative Kraft und nationalistische Splitterparteien stehen sich gegenüber. Doch wo geht Europa hin? Wo muss Europa hin? Sind Grenzen wichtig oder die Grenzenlosigkeit?

Über 750 Puzzleteile aus 28 verschiedenen Puzzeln. Irgendwie müssen die zusammen in eine Schachtel passen. Noch mehr: sie müssen alle zusammenpassen und ein Ganzes ergeben. Doch was passiert wenn manche Teile kleiner sind als andere und andere Ecken und Kanten haben? Dieses Bild kann man mit der Zukunft des Europäischen Parlaments, ihren Sitzen und Mitgliedsländern vergleichen.

Das Wahlergebnis am Sonntag, den 25. Mai zeigte, dass viele diesem Zusammenwachsen kritisch gegenüberstehen. Nationalistische und eurokritische Parteien machen erstmals einen großen Teil der Sitze im Parlament aus. Damit wächst einerseits der Druck auf die etablierten Parteien, außerdem kann das Prozesse innerhalb der EU durch viele konträre Meinungen erschweren. Andererseits wird damit mehr Demokratie symbolisiert und die Vielfalt als Grundsatz ausgeübt.

Aber heißt das auch „mehr Europa“?

Nicht unbedingt, denn in allen Ländern trifft das Verständnis für Demokratie auf unterschiedliche Auffassungen. Nicht in allen Ländern ist Demokratie gleich möglich. Auf der einen Seite steht Europa genau dafür, das anzugleichen und sich gegenseitig zu unterstützen. Auf der anderen Seite entstehen durch den Erfolg der nationalen Parteien interne Diskrepanzen. Die mögliche Folge daraus sind mehr Diskussionen, mehr Streitigkeiten in den zahlreichen Themenbereichen, mit dem sich das europäische Parlament heutzutage beschäftigt. Zusätzlich prägt sich das auf die Bürger aus: das nicht-europäische Denken im Volk wird vorangetrieben, da Europa keine eindeutige, klare Meinung nach außen gibt. Das alles ist auf den Wegfall der Sperrklausel zurückzuführen. „Es hat ja einen guten Grund gegeben zur Entstehung der Prozenthürde. Das ist sonst wie in der Weimarer Republik mit den ganzen Splitterparteien.“, meint Medienstudentin Teresa Weikmann in einem Gespräch.

Ein weiterer Grund für den Erfolg der extremen Parteien kann die Angst der Bürger sein, dass durch die „Europäisierung“ die eigene Identität ihres Landes verloren geht. Trotz Vielfältigkeit und Grenzenlosigkeit sollte jede Nationalität bewahrt bleiben, aber auch bereit sein, zu kooperieren. Schließlich steht die konservative Kraft immer noch als große Kraft da. Europa hat gewählt und diese Mehrheit hat gesiegt. Dabei kann man die eher „kleinen“ Anteile der Splitterparteien auch als weniger „schlimm“ und einflussreich ansehen. Diese gewählte Mehrheit wird die Zukunft für Europa beschreiten – die Puzzleteile so gut es geht zusammenfügen. Die Grenzen werden sich neu definieren. Die Ecken und Kanten werden sich zeigen… immer wieder.

 Dies ist ein teils meinungslastiger Artikel, der aus Gesprächen mit Personen verschiedenster Bereiche entstand.