Zwischen den Zeilen übersetzen

Wir lesen sie alle: internationale Bücher, die ins Deutsche übersetzt wurden. Doch die Autoren haben das Buch, so wie wir es in den Händen halten, gar nicht so geschrieben. Sie schreiben es in ihrer Muttersprache und damit wir es verstehen, braucht es eine Übersetzerin. Doch können dabei immer alle Emotionen weitervermittelt werden? Wobei ist es besonders schwierig die richtigen „deutschen“ Worte zu finden? Ein Blick in den Beruf als Literaturübersetzerin.

Dr. Sabine Baumann, Foto: privat

Dr. Sabine Baumann, Foto: privat

Sabine Baumann übersetzt seit über 20 Jahren aus dem Russischen und Englischen ins Deutsche. Nach ihrer Promotion in Amerikanistik, arbeitete sie als Lektorin in verschiedenen Verlagen, seit 2009 bei Schöffling & Co. Für die Neuübersetzung des Epos „Eugen Onegin“ (1833) von Alexander Puschkin und die Übertragung des Puschkin-Kommentars von Vladimir Nabokov erhielt sie 2010 den Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW. Mit 25.000 Euro dotiert ist er einer der wichtigsten Literaturpreise in Deutschland. Die Jury lobte Baumanns Übersetzung von Puschkins Werk, der als Begründer für die moderne russische Literatur steht, als „Pioniertat„. Und auch genau das ist oft das Schwierige beim Übersetzen, wie Sabine Baumann im Interview verrät.

Gerade bei einem Werk aus der Vergangenheit, bei dem sie den Autor nicht mehr persönlich fragen kann, muss sie sich oft in die Epoche hineinversetzen und weitere Quellen verwenden, um die Emotionen und Absichten richtig vermitteln zu können. Es bereichert sie „sich während des Übersetzens der Unterschiede zwischen den Kulturen bewusst zu werden und sie einander näher zu bringen“, so Baumann.

Aber auch Texte mit heutigem kulturellem Zusammenhang können fremd erscheinen und schwer nachvollziehbar sein, „ob etwas zum Beispiel humorvoll oder bitterernst gemeint ist“. Einfacher seien dabei Texte „mit denen man sich leichter identifizieren kann“, meint die Übersetzerin. Es komme immer auf den Stil des Autors an: Auch die gleiche Leichtigkeit im Text wiederzugeben, kann kompliziert werden. Fühlt man sich als Übersetzerin mitverantwortlich für den Erfolg des Buches? Ja, jedem Übersetzer schwingen Zweifel mit, die Gefühle zwischen den Zeilen richtig vermitteln zu können, offenbart Baumann.

„Eine schlechte Übersetzung kann tatsächlich eine Hürde darstellen.“

Doch für sie ist es immer wieder eine Herausforderung, die Spaß bringt, zum Beispiel für Redewendungen und Wortspiele auch die deutsche Bedeutung zu finden. Neben ihrem Beruf als Übersetzerin und Lektorin, ist sie Redaktionsleiterin der Zeitschrift „Übersetzen“, in der wichtige Informationen zu Fachbüchern oder Seminaren für Übersetzer zu finden sind. Auch über den Hieronymustag im September, der nach dem Schutzpatron der Übersetzer benannt wurde, dem heiligen Hieronymus, wird berichtet.

Doch bis aus Literatur Weltliteratur und ein Bestseller wird, ist es ein langer Weg. Nicht oft kann man von einem „Megaseller“ reden wie bei „Fifty Shades of Grey“, so sagte es eine der Übersetzerinnen der Triologie, Andrea Brandl, in einem Interview mit „buchreport.de“. Auch die Resonanz der Medien trage dazu bei, dass der Roman an Aufmerksamkeit gewinnt, doch reich werde sie davon nicht, so Brandl. Den zweiten Teil mit 1700 Seiten aus dem Original hat sie in fünf Monaten übersetzt, das sind ohne Wochenenden gerechnet ungefähr 15 Seiten pro Tag. Ein lukrativer Auftrag – sicher, aber die Beine jetzt hochlegen zu können sei eine „illusorische Vorstellung“, sagt sie.

Der Beruf als Übersetzer oder Übersetzerin hat viele Facetten. Es geht um die Frage, die Emotionen zwischen den Zeilen richtig zu deuten, darum in welcher Sprache man sich selbst zuhause fühlt und wo doch kulturelle Distanzen herrschen, die man überwinden muss. Mehr darüber gibt es zum Beispiel auch bei „Übersetzer im Gespräch“ des Goethe Instituts, wo genau dieser Aspekt immer wieder auftaucht. Doch auch von mir gibt es noch einen zweiten Teil übers Übersetzen und vielleicht fallen euch ja jetzt einige Sachen mehr beim Lesen auf.

Den Artikel zum Hören gibt es hier (entschuldigt die Qualität):

Advertisements

Ein Gedanke zu “Zwischen den Zeilen übersetzen

  1. Pingback: Reise durch den Dschungel der Sprachen | Lisa4media

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s