Die Grenze zwischen Werbung und Journalismus

Der Grat ist schmal. Schnell wird aus einem Veranstaltungstipp im Radio oder Fernsehen eine Art von Werbung… Schleichwerbung? Versteckte Werbung? Oder doch nur eine Empfehlung für die Hörer oder Zuschauer? Es gibt viele Interpretationen. Oft ist so etwas wie Sponsoring oder Produktplatzierung für den Nutzer nicht klar als Werbung zu definieren. Rechtlich steht es unter den sogenannten Sonderwerbeformen. Doch helfen diese, die Erkennung besser zu machen oder wird es nur noch schlimmer? Mehr dazu in meinem Hörbeitrag:

https://soundcloud.com/lisa4media/radiobeitrag

Die im Beitrag behandelten Sonderwerbeformen sind im Radio zum Beispiel mit den Wörter wie „Sponsored by“ oder „wird euch präsentiert von“ erkennbar. Im Fernsehen steht ein kleines P für Product Placement, also Produktplatzierung, das eine materielle Unterstützung für eine Medienproduktion ist, wie z.B. die Bereitstellung von Autos einer bestimmten Marke für den Tatort im ARD.

Bei meiner Recherche habe ich nicht nur mit der ehemaligen Radio-Planungsredakteurin, Gunda Bartels, geredet, sondern auch mit weiteren Spezialisten. Ein Professor an der Hochschule Mittweida für Digitale Medien und Recht, Markus Heinker, hat auch jahrelang im Radio gearbeitet und urteilt ähnlich wie Bartels. Radio sei nicht besser erkennbar oder gar eingeschränkter durch die gesetzlichen Maßnahmen des Rundfunkstaatsvertrag. Auch Christian Wiedemann von der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) findet:

„In der Praxis sind werbliche – also bezahlte – Aussagen für den Zuhörer nicht immer leicht zu identifizieren. Deswegen müssen werbliche Inhalte auch als solche kenntlich gemacht werden. Für den Zuhörer muss erkennbar sein, ob er mit redaktionellen Inhalten des Rundfunkveranstalters oder werblichen Botschaften Dritter konfrontiert ist. Letztlich dient dies auch der Glaubwürdigkeit der Rundfunkveranstalter.“

Weiter meint er, dass das Medienrecht nur auf die Entwicklungen der Medienbranche in Richtung Werbung reagiere. Es definiert die verschiedenen Formen und schränkt nicht unbedingt ein. Dr. Jochen Kalka, Chefredakteur von „Werben & Verkaufen (W&V)“ prognostiziert für die Fachzeitschrift „Themen + Frequenzen“, dass Werbung in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung verlieren wird. Er denkt, dass Unternehmen immer mehr an Werbung sparen wollen und nicht die Investition daran sehen. Außerdem spricht er vom Print-Revival in den kommenden Jahren: „Es wird eine Generation kommen, die findet Print einfach nur supergeil.“ Das Fernsehen wird seiner Meinung nach jedoch stark verlieren. Für Werbung wiederum sieht er Hoffnung – nur die besten Werbemacher werden „überleben“ und es geht zurück zur Werbung, die einfach ist und Menschen – nicht nur Figuren – zeigt.

Grenze

Der Radiobeitrag ist durch ein Projekt im Rahmen meines Volontariates bei der Mitteldeutschen Journalistenschule entstanden.

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Erste Moderationserfahrungen

International. Aufregend und in letzter Minute noch das Flugzeug bekommen.

Am Donnerstag vergangener Woche nahm die International Night ihre Zuschauer mit auf einen Flug in viele entfernte Länder. Diese konnten sich über einen Auslandsaufenthalt informieren: ob Erasmus-Semester in Polen oder Praktikum in Kanada. Die Passagiere und Gäste auf der Bühne durfte ich mit meinem Moderationspartner Thanu anleiten. Mit einem weiteren Studenten aus Bulgarien, der die englische Diskussionsrunde leitete, waren wir die Moderatoren des Abends. Dieser führte von Departure über Arrival bis zum Flight Attendant mit einer Expertenrunde und wertvollen Tipps für ein Semester im Ausland.

In der ersten Runde befragte ich zwei Studenten, die für ein Praktikum in Kanada und Russland waren, über ihre Auslandserfahrungen. Im letzten Teil führten Thanu und ich eine Gesprächs- und Fragerunde mit Experten und dem Publikum. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und es war eine spannende Erfahrung. Ich konnte Gelerntes aus Moderations-Workshops und Rhetorikkursen umsetzen, möchte aber noch viel mehr lernen. Denn oft ist es schwierig zu entscheiden ob die Zeit, die das Event vorgibt, wichtiger ist als der Inhalt, den man durch die Gäste auf der Bühne wiedergeben möchte. Trotzdem konnte ich schon meine Spontanität testen, denn erst kurze Zeit vorher stand der genaue Ablaufplan fest – halt: „in letzter Minute noch das Flugzeug bekommen“. Es gab nur eine kleine Generalprobe, aber genau daraus lernt man ja selbst und auch das ganze Team. Die Veranstaltung war eine Probe für die komplette Belegschaft des Medienforums, das am 17. und 18. November in Mittweida stattfindet. Ich freue mich drauf!

Danke für die Berichterstattungen und Komplimente auf medien-student.de und hs-mittweida.de sowie medien-mittweida.de.

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Entern oder Kentern? JFS-Fachforum

Ein Bericht von mir über das Fachforum des Journalistischen Förderprogramms (JFS) der Hanns-Seidel-Stiftung diesen September in Hamburg. Mit Daten umgehen lernen.
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Foto: Lisa Fritsch für die Hanns-Seidel-Stiftung

Entern oder Kentern? Das war die Frage für die Stipendiaten auf dem diesjährigen Fachforum Medien vom 1. bis 3. September 2014 zum Thema „Journalismus zwischen den Wogen der Datenflut“. In Hamburg betraten sie das virtuelle Piratenschiff und segelten von der Community-Welt der sozialen Netzwerke zu den Büros des „Spiegels“ bis zum Dschungel der Datenjournalisten und Analytiker. Wie ein Journalist beruflich und auch privat mit seinen Daten und denen des Lesers umgehen sollte, erklärten erfahrene Referenten.

Weiterlesen auf www.hss.de.

#newdigitalwords – Internetvokabeln

Internetvokabeln

So viele neue Worterfindungen tummeln sich durch das digitale Zeitalter im Netz. Auch als aktiver Nutzer verliert man schnell den Überblick. Von Trolls übers Bashing bis zum Tweef hier einige Begriffe in meinem Medienvokabeln-Workshop:

  • Digital Natives – beschreibt die junge Generation, die mit Computer, Internet und Smartphone aufgewachsen sind (Urmenschen der digitalen Welt = Natives)
  • Digital Immigrants – sind in die digitale Welt erst immigriert und nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen, sondern haben sich diese erst angeeignet, z.B. internetaffine Eltern oder Lehrer
  • Silver Surfers – sind die „grauen“ Nutzer des Internets, also Oma und Opa bzw. allgemein über 50jährige (aktuell vielleicht schon über 60) mit Tablet, Notebook oder Smartphone. Es gibt auch eine Lifestyle Seite der Silver Surfers mit Chatrooms und Tipps in Sachen Gesundheit, Make-up oder Reisen für alle „Over 50s“. In eine deutsche Seite darüber wird von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz angeboten.
  • Hashtag – ist das Rautezeichen # , dass bei Twitter und Facebook benutzt wird um alle Beiträge um ein bestimmtes Thema wiederzufinden bzw. sich untereinander zu verbinden, z.B. zur Weltmeisterschaft #WM2014.

Und noch mehr Internet-Neologismen über Personengruppen, die sich so im Internet tummeln:

  • Vlogger – abgewandelt von Blogger (was ich für euch bin) sind Video-Blogger, die ihre Botschaften per Video z.B. bei YouTube verbreiten – ihre Tätigkeit bezeichnet man als vlogging. Es gibt u.a. Mode-Vlogs, Geo-Vlogs oder Food Vlogs. Nicht verwechseln mit dem VJ, dem Video Journalisten (Beruf), der einen Videobeitrag von Idee, Redaktion über Produktion bis Ton und Schnitt anfertigt.
  • Moblogger – Blogger, die ihre Beiträge mit dem Mobiltelefon/ Smartphone verschicken, vorwiegend mit Fotos und Videos von der Handykamera gefüllt. Es gibt auch einen Seismoblog – der aber eher weniger damit zu tun hat. Mit Erdbeben-Ticker wird dort über Themen über Umwelt, Natur und Gesundheit berichtet.
  • Glogs – ähnlich wie bei Moblogs werden auf Glogs auch Fotos, Videos und Beiträge von unterwegs geschickt. Zusammengesetzt wird es aus Cyborg (kybernetischer durch technische Teile ergänzter Organismus) und Weblog. Mehr verbreitet ist aber der Glogster Blog, der den Glogs eine weitere Bedeutung hinzufügt: einzelne Seiten, die eine globale Wissens- und Bildungsplattform für Lehrer und deren Schüler bilden sollen: die Glopedia.

Das Internet ist böse. Wie sich das bei den sozialen Netzwerken auswirkt, erklären diese Begriffe:

  • Bashing – allgemein die öffentliche Beschimpfung, das sich gegenseitige fertig machen (bashen), z.B. das Lanz-Bashing, das die öffentlichen Beleidigungen im Internet über TV-Moderator Markus Lanz bezeichnet.
  • Tweef – ein „Beef“, also Streit, auf Twitter
  • Shitstorm (Sturm von Scheiße) – hitzige, auch aggressive und beleidigende Diskussionen um ein Thema oder Ereignis. Hier die zehn bekanntesten Shitstorms.
  • Flamewar – ein Krieg bzw. eine kontroverse Diskussion, die sich durch viele Flames, hetzende Kommentare von Nutzern, ergibt (auch Flamebait), besonders in der Game-Branche (Online-Spiele) ist Flaming bekannt.

Wer da noch „Böses“ beteiligt ist, im Folgenden:

  • Troll – ein destruktiver, nerviger Nutzer, der nur auf Streit im Netz aus ist  (Synonym auch: Twin, Figur kommt aus der Mythologie), ein Spruch dazu: „Don’t feed the troll.“ – ihm nicht noch mehr Aufmerksamkeit schenken
  • Noob – ein nicht willkommener Anfänger auf einer Internetplattform, auch rückwärts Boon verwendet; abgeleitet von Newbie (new boy): allgemein ein Anfänger/ Neuling im Internet

Noch die wichtigsten Abkürzungen für Suchmaschinen:

  • SEO – Suchmaschinenoptimierung: Website so anpassen, dass sie bei Google weit oben erscheint (hohes Google Page Rank)
  • SEM – Suchmaschinenmarketing: Begriff im Online-Marketing; eine Strategie, um ein Produkt weit oben bei Suchmaschinen erscheinen zu lassen; SEM teilt sich auf in SEO und SEA.
  • SEA – Suchmaschinen Advertising, auch Affiliate Marketing: der Anbieter möchte sein Produkt im Internet vermarkten (ist der Werbetreibende, auch Advertiser), der Affiliate beschafft ihm dafür Reichweite im Internet durch Links oder sogar seine eigene Website/ Blog und erhält dafür eine Provision.

Was sind eure neuen Medienvokabeln oder digitalen Wortneuschöpfungen? Kommentiert oder twittert mit unter #newdigitalword.