Das große Puzzle Europa

Ein weiterer Artikel im Rahmen der Printakademie der Hanns-Seidel-Stiftung. Umgeschriebener Ausschnitt aus meiner Reportage.

100 Prozent Europa? - dagegen wählten viele Bürger am Sonntag bei der Europawahl

100 Prozent Europa? – dagegen stimmten viele Bürger am Sonntag , den 25. Mai, bei der Europawahl

Zwischen Vielfalt, Demokratie und Nationalität. Die Europäische Union hat sich durch die Wahlen am vergangenen Sonntag neu strukturiert. Konservative Kraft und nationalistische Splitterparteien stehen sich gegenüber. Doch wo geht Europa hin? Wo muss Europa hin? Sind Grenzen wichtig oder die Grenzenlosigkeit?

Über 750 Puzzleteile aus 28 verschiedenen Puzzeln. Irgendwie müssen die zusammen in eine Schachtel passen. Noch mehr: sie müssen alle zusammenpassen und ein Ganzes ergeben. Doch was passiert wenn manche Teile kleiner sind als andere und andere Ecken und Kanten haben? Dieses Bild kann man mit der Zukunft des Europäischen Parlaments, ihren Sitzen und Mitgliedsländern vergleichen.

Das Wahlergebnis am Sonntag, den 25. Mai zeigte, dass viele diesem Zusammenwachsen kritisch gegenüberstehen. Nationalistische und eurokritische Parteien machen erstmals einen großen Teil der Sitze im Parlament aus. Damit wächst einerseits der Druck auf die etablierten Parteien, außerdem kann das Prozesse innerhalb der EU durch viele konträre Meinungen erschweren. Andererseits wird damit mehr Demokratie symbolisiert und die Vielfalt als Grundsatz ausgeübt.

Aber heißt das auch „mehr Europa“?

Nicht unbedingt, denn in allen Ländern trifft das Verständnis für Demokratie auf unterschiedliche Auffassungen. Nicht in allen Ländern ist Demokratie gleich möglich. Auf der einen Seite steht Europa genau dafür, das anzugleichen und sich gegenseitig zu unterstützen. Auf der anderen Seite entstehen durch den Erfolg der nationalen Parteien interne Diskrepanzen. Die mögliche Folge daraus sind mehr Diskussionen, mehr Streitigkeiten in den zahlreichen Themenbereichen, mit dem sich das europäische Parlament heutzutage beschäftigt. Zusätzlich prägt sich das auf die Bürger aus: das nicht-europäische Denken im Volk wird vorangetrieben, da Europa keine eindeutige, klare Meinung nach außen gibt. Das alles ist auf den Wegfall der Sperrklausel zurückzuführen. „Es hat ja einen guten Grund gegeben zur Entstehung der Prozenthürde. Das ist sonst wie in der Weimarer Republik mit den ganzen Splitterparteien.“, meint Medienstudentin Teresa Weikmann in einem Gespräch.

Ein weiterer Grund für den Erfolg der extremen Parteien kann die Angst der Bürger sein, dass durch die „Europäisierung“ die eigene Identität ihres Landes verloren geht. Trotz Vielfältigkeit und Grenzenlosigkeit sollte jede Nationalität bewahrt bleiben, aber auch bereit sein, zu kooperieren. Schließlich steht die konservative Kraft immer noch als große Kraft da. Europa hat gewählt und diese Mehrheit hat gesiegt. Dabei kann man die eher „kleinen“ Anteile der Splitterparteien auch als weniger „schlimm“ und einflussreich ansehen. Diese gewählte Mehrheit wird die Zukunft für Europa beschreiten – die Puzzleteile so gut es geht zusammenfügen. Die Grenzen werden sich neu definieren. Die Ecken und Kanten werden sich zeigen… immer wieder.

 Dies ist ein teils meinungslastiger Artikel, der aus Gesprächen mit Personen verschiedenster Bereiche entstand.

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