Die Briten sehen keine grauen Wolken

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland zwischen Kulturunterschieden und Transmedialität

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2014Gestern besuchte ich den Medientreffpunkt in der media city Leipzig des MDRs. Dort diskutierten und prognostizierten gestandene Medienleute über die aktuellen Entwicklungen in der Branche. Die Frage der Schnelllebigkeit des Internets und die Vor-und Nachteile der Konvergenz verschiedener Medien stand im Mittelpunkt. Können Inhalte durch die Geschwindigkeit in der heutigen Zeit noch qualitativ gut entstehen? Wie verändert sich die Nachrichtenwelt durch diese Dynamik? Und was muss den Zuschauern in Anpassung auf den digitalen Markt alles geboten werden?

Ist das eine gute Story? Vor dieser Frage stehen Redakteure und Produzenten häufig. „Es gibt kein Erfolgskonzept.“, meint Felix Wesseler, Pressesprecher von filmpool. Diese Fernsehproduktionsfirma wirkt bei der RTL2-Serie „Berlin Tag & Nacht“ mit, die zwar einerseits sehr in der Kritik steht, andererseits aber genau die aktuellen Anforderungen an eine Serie bedient – die Vernetzung von Fernsehen mit Online, wie die Verbreitung über Soziale Netzwerke. Die Anzahl der Facebook-Fans bestätigen dies. Allgemein ergeben sich durch die Transmedialität, also dem Verbinden, Austauschen und Vorantreiben durch verschiedene Medien, neue Ebenen für journalistisches und fiktionales Storytelling. Man kann durch verschiedene Erzählweisen die Geschichte aus mehreren Perspektiven betrachten und durch die Kommunikation auf Social Media auf die Zuschauer direkt eingehen. Michael Geffken von der Leipzig School of Media meint dazu, man müsse sich aus den journalistischen Strukturen lösen, sich etwas trauen und innovativ sein. Auch Felix Wesseler spricht hierbei aus Erfahrung: „trial and error“ – immer wieder neues ausprobieren und daraus lernen. Nur dadurch sieht man auch den wirtschaftlichen Erfolg dahinter. Auch Wesseler meint: der digitale Aufwand ist immer noch günstiger als die klassische Produktion und dadurch kann eine größere Zielgruppe erreicht werden.

Doch wie kann das Fernsehgeschäft in die Zukunft blicken?

Ein Faktor war für alle Referenten klar: Weg von „Lean-Back“, raus aus der zurücklehnenden Position und auf zu neuen Formaten. Denn genau Serien haben dafür das Potenzial mehrere Medien zu verbinden und somit transmedial auf dem Markt zu wirken. Patrick Möller, Berater im Netzwerk Transmedia Storytelling Berlin, prognostiziert für die Zukunft weniger Filme und mehr auf den Zuschauer angepassten Content. Es wird also weg von der linearen Nutzung des Fernsehens gehen und das wird die Herausforderung für das TV-Geschäft sein.

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Auch für die Nachrichtenwelt ist diese Vernetzung von großer Bedeutung. Gerade diese Branche lebt von der Geschwindigkeit und den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit. In dem dazugehörigen Panel zeigten sich durch die Referenten aus Deutschland (dpa, n-tv, MDR) und England (BBC) auch kulturellen Unterschiede in der Medienbranche. Moderator Sergej Lochthofen versuchte immer wieder die Probleme für die Medien, die durch die Geschwindigkeit entstehen, zu thematisieren – Richard Porter von BBC Global News zeigte jedoch seinen Optimismus für diese Veränderungen. Er stellt vor allem die Zuschauer in den Vordergrund, denn die Medien tragen die Verantwortung dafür, dass diese gut und faktentreu informiert werden. Porter möchte dabei nicht bedauern, sondern viel mehr profitieren. Die Digitalisierung ermögliche uns viel schneller und einfacher zu publizieren. Wichtig ist dabei der Umgang mit Inhalt, diesen trotz Zeitdruck richtig und mit genug Hintergrund darzustellen. Darauf würde das Publikum auch vertrauen und somit zum Medium zurückkommen, meint der BBC-Controller aus eigener Erfahrung.

Bedroht die Netzfreiheit den Nachrichtenmarkt?

Oft komme die Vermutung hoch Google, Twitter und Facebook seien durch ihre kostenlose Verbreitung von Nachrichten eine Konkurrenz für die Qualitätsmedien, so Moderator Lochthofen. Christoph Teuner von n-tv meint dazu: „Twitter und Co. sind zwar wichtig, aber man darf sie nicht überschätzen. Das Fernsehen gilt immer noch als unser Massenmedium.“ Er sieht dadurch zwar eine gewisse Relevanz, jedoch das Kerngeschäft nicht gefährdet, denn der Inhalt von diesen Online-Angeboten ist nicht vergleichbar. Trotzdem muss man unter diesen Angeboten auch immer wieder auffallen, lenkt Lochthofen um. Wo ist der Grad zwischen guten Storytelling und aufgeblähter Dramaturgie? Richard Porter von BBC meint dazu, man müsse zwar Aufmerksamkeit erregen und mit Leidenschaft und Authentizität erzählen, aber immer noch im korrekten journalistischen Rahmen, also in Abgrenzung zu Meinung und Übertreibung.

Dadurch ergibt sich ein gemeinsames Fazit. Es geht immer um eine gute Story, aber auch um relevanten Inhalt. Es geht um die Zuschauer und Nutzer auf verschiedenen Plattformen und darum das Potenzial der Neuentwicklung der Medien herauszuholen und zu nutzen, gleichwohl in Nachrichten, Serien oder Filmen. Denn eins ist klar – die Medien sind ständig im Wandel und es liegt auch in ihrer Verantwortung den Trends gerecht zu werden und sie zeitgemäß umzusetzen.

 

Bilder: Privat, auf Anfrage freizugeben

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