Lieber Giovanni, war das alles Ironie?

Ein zweiter Artikel im Rahmen der Printakademie der Hanns-Seidel-Stiftung.

„Ich muss zugeben, dass ich zweimal gewählt habe.“ Mit diesen naiven Worten sitzt der „ZEIT“-Chefredakteur, Giovanni di Lorenzo, am Sonntag lässig auf der Couch neben Günther Jauch. „Einmal gestern im italienischen Konsulat und einmal heute in einer Hamburger Grundschule.“, plaudert der Politikwissenschaftler und Journalist weiter.

Doch kann das wirklich sein? Viele Medien hinterfragen nun die Intelligenz und Seriosität des Akademikers. Von Bild wird er als „Wahl-Depp“ bezeichnet. Immerhin grenzt sein Handeln an Wahlbetrug. Oder war das alles nur ein Witz von ihm? Hat uns di Lorenzo einfach reingelegt? Vielleicht feilt er damit ein bisschen an seinem Image – so ein paar Schlagzeilen tuen jedem mal ganz gut. Aber auch dem Chefredakteur der angesehensten Wochenzeitung? Und ob ihm fünf Jahre Haftstrafe im Gegenzug das Wert waren – das kann uns dann wohl am Ende nur die Staatsanwaltschaft verraten.

Aber wenn man hinter die Fassade des schaut – eine kluge Taktik war es schon: ganz unbeholfen seinen Wahlbetrug im Nebensatz erwähnen, dann das große Aufsehen durch die Strafanzeige der AfD-Partei erhalten und sich folglich nett und lieb bei der „Bild“-Zeitung dafür zu entschuldigen, man habe es ja nicht gewusst. Obwohl er diese Umstände doch nochmal genau in seinem eigenen Blatt durchlesen hätte können. „Deutsch oder doch lieber italienisch?“ – ein Bild mit halb Schnitzel, halb Pizza und den jeweiligen Flaggen darunter. So erstrahlt ein Artikel bei „ZEIT“ am Mittwoch vor den Wahlen mit ausführlichen Gesetzeshintergründen des Europawahlrechts.

Für welche kulinarische Seite sich di Lorenzo das nächste Mal entscheidet, bleibt abzuwarten. Doch klar ist, dass es nur eine sein kann! Sonst sollte der Musterdemokrat, wie ihn der „Cicero“ gern bezeichnet, sein Berufsfeld nochmal genau durchdenken.

Türkei: Gericht hebt auch YouTube-Sperre auf

Dieses Wochenende nehme ich an der Print-Akademie im Rahmen meines Stipendiums der „Journalistischen Förderung“ der Hanns-Seidel-Stiftung teil. Darin verfassen wir vier Artikel verschiedener Darstellungsformen. Hier meine erste „Arbeitsprobe“: eine aktuelle Nachricht.

Ankara – Der türkische Gerichtshof hat am Donnerstag die Sperrung der Videoplattform YouTube aufgehoben. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu und Bild. Schon im April erklärte das Gericht die Sperre des Kurznachrichtendienstes Twitter für rechtswidrig, nun wurde dies auch für YouTube durchgesetzt. Der türkischen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ließ Ende März dieses Jahres die beiden Plattformen sperren, um kurz vor der Kommunalwahl die weitere Verbreitung der Korruptionsverdachte gegen ihn zu stoppen. Der Gerichtshof sieht darin jedoch eine Einschränkung in der freien Meinungsäußerung und lässt den Zugang zu YouTube jetzt wieder herstellen.

Webpräsenz der Parteien zur Europawahl im Vergleich

Wie stellen sich unsere Parteien online dar? Was sagen zum Beispiel Farben über ihre Strategie aus? Am Beispiel der Websites von SPD, CDU, Grünen und Linke werden im Folgenden Unterschiede und Merkmale gezeigt.

Ja, viele haben ja recht: die Parteien im Wahlkampf um die Europawahl nähern sich immer mehr an. Es geht um ein „gutes“ Europa in Zukunft, viele Chancen und Wirtschaftsthemen wie zum Beispiel die Bankenunion. Doch worin sich die Parteien auf jeden Fall unterscheiden, ist ihr Aufritt im Internet. Auf zum Teil interaktiven Webseiten in vielen unterschiedlichen Designs wollen sie auf potenzielle Wähler aufmerksam machen.

SPDMartin Schulz Website

Den wohl spannendsten „Auftritt“ gibt uns Martin Schulz. Auf der SPD-Website wird sofort auf  www.martin-schulz.eu hingewiesen. Sogar mit einer Google-Anzeige sticht Martin, wie er sich gern auch auf Twitter (#AskMartin) preisgibt, heraus. Seine Website ist fortlaufend gestaltet mit viel Bildanteil und  verschiedenen Farben, hebt sich also vom sonstigen Rot der Partei ab. Eingangs schafft er Vertrauen mit Blau, zeigt seine Motivation in einem freudigen Orange und ruft zum Mitmachen auf in einem warmen Rotton. Unterscheiden muss man jedoch zwischen der SPD-Seite, die über die Europawahl berichtet und informiert und der offiziellen Europa-Seite über die Sozialdemokratische Partei. Letztere stellt z.B. die aktuellen Abgeordneten im Europäischen Parlament vor und zeigt Leitlinien unter dem Motto „Wir in Europa“.

CDU

CDU_websiteDie Seite unserer konservativen Partei gestaltet sich im einheitlichen Orange und Weiß, welches man auch auf den Wahlplakaten wiederfindet und freundlich wirken soll. Sie informiert klar über Materialien, Ziele und das Programm zur Europawahl am 25. Mai, auch zu erhalten in sehr einfacher Sprache. Es steht mehr die Partei mit Kanzlerin Merkel im Vordergrund als die Spitzenkandidaten David McAllister und Jean-Claude Juncker. Unterstützt wird die Seite aber auch von Videos, aktuellen Beiträgen und Verlinkungen in die Sozialen Netzwerke.

Grüne

Auf die Grünen wird man wieder durch eine Google-Anzeige aufmerksam: „Darum solltest du uns wählen“ führt auf eine aufwendig designten Seite, die wie ein Grüne_EURundgang zu verschiedenen Videos mit den Spitzenkandidaten und ihren Themen gestaltet ist. Sie versprechen damit die Nutzer  in zwei Minuten zu überzeugen. Hintergrundfarbe ist ein dunkler passender Grünton, doch durch verschiedene Bilder und Grafiken ergänzen sie ihren digitalen Aufrtitt. Auf gruene-europa.de findet man die Europagruppe der Grünen mit einer Übersicht über Ziele und Programm mit vielen Weißanteilen für die klare Struktur, aber auch wiederum einem grünen Grundton. Die Hauptseite der Partei steht im Bezug zur 2-Minuten-Kampagne und gibt eine Übersicht für die Ziele der deutschen Kandidaten für Europa.

Die Linke

Die Linke_EUAuf der Website der Linken findet man eine sehr klare, strukturierte Seite, wie auch die Wahlplakate gestaltet sind: harte Formatierungen – klare Ansagen. Somit findet man sofort ihr Programm, die Ziele und Kandidaten. Das Wolkenbild im Head-Bereich lockert die Seite ein wenig auf, die klaren Weiß- und Grauanteile mit roten Details stehen jedoch im Vordergrund. Die Website der Linken im Europaparlament wirkt durch bunte Bilder freundlicher, aber setzt mit weiß-schwarz-rot die einheitliche Linie fort und unterstreicht die Willenskraft der Partei.

 

Die Europawahl geht in den Endspurt. Meistens entscheiden die Menschen erst wenige Tage vorher, welche Partei sie wählen. Vielleicht hilft euch meine Analyse bei der Entscheidung.

Die Reihenfolge hat keine hintergründige oder persönliche Bedeutung.

Was steckt hinter der ZDF heute-show?

Habt ihr euch auch schon mal gefragt, was eigentlich hinter der beliebten „heute show“ des ZDFs steckt? Wie lang wird daran gearbeitet und wer schreibt die Witze? Lernt sie der Moderator Oliver dann alle auswendig oder kommen auch spontane Gags?
Screenshot der Team-Seite auf heuteshow.zdf.de

Screenshot der Team-Seite auf heuteshow.zdf.de

Immer freitags um 22:30 Uhr werden Millionen Zuschauer (13,2 Prozent Marktanteil) vom heute-show-Team und unter Produzent Georg Hirschberg belustigt. Die Marke der Sendung ist Moderator Oliver Welke, der aus dem Comedy-Bereich stammt und sonst zudem als Sportmoderator erfolgreich ist. klamm.de berichtet, dass die Show nach dem Vorbild der amerikanischen „Daily News“ entwickelt wurde, aber sich auch den Nachrichtenformaten des ZDF wie „heute“ und „heute-journal“ anlehnt, was an sich schon eine Satire darstellt. Seit Beginn der Sendung vergrößerte sich der Marktanteil um acht Prozent. Wiederholt wird sie in den Tagen nach der Freitagsausstrahlung auf ZDFinfo, ZDFneo sowie ZDFkultur. Schon seit Beginn der Produktion der Show im  Juni 2009 sind die Plätze im Publikum heiß begehrt und die Karten schnell ausverkauft.

Bezüglich meiner Frage erhielt ich von der zuständigen Zuschauerredaktion folgende ernüchternde Antwort:

„Die zuständige Redaktion hat sich bisher ganz bewusst entschieden, nicht zu viel über ihren Wochen- und Tagesablauf zur Entstehung einer „heute-show“-Folge zu veröffentlichen. Es gibt auch für Journalisten absolute „Tabuzonen“ bei der Entstehung einer „heute-show“. Wir bitten Sie um Verständnis für unsere Entscheidung.“ 

Heute-show wird fünf Jahre alt

Informationen über die wöchentliche Satiresendung gibt es jedoch schon. Erst heute erschien ein Artikel im Tagesspiegel über das fünfjährige Jubiläum der Show, die gerade in der jetzigen Zeit der Großen Koalition erfolgreicher sei denn je. Zum Aufbau der Sendung verrät man dort, dass sich fünf Autoren um die Themen kümmern, sowie die zwei führenden Autoren Oliver Welke selbst und Morten Kühne die aufwendigeren Reporterthemen gestalten. Mehr zu Quoten, Beschwerden und FDP in der heute show hier.

Ein Quotenmeter.de-Redakteur war bei einer der ersten Sendungen dabei und berichtet hier über die Unterstützung durch professionelle Gagschreiber und die vielen Proben der Show und Witze schon am Vormittag vorher. Somit sind viele Witze natürlich schon vorher einstudiert, andere sollen aber vor allem vor der Show auch noch spontan von Oliver Welke kommen, um das Publikum aufzuheizen. Schon bei der Impro-Comedyshow „Schillerstraße“ sammelte er das Gespür für den richtigen Moment eines Gags, sagt er im Gespräch mit Redakteur Jürgen Kirsch.

In einem weiteren Interview mit Welke verriet er mehr über die Aufmachung der Late-Night-Show. Angefangen wird am Montag wie in einer richtigen Nachrichtenredaktion, um Dienstag die Themen so aufzubereiten, sodass sie am Freitag noch interessant und lustig sind. Mehr zur Sendung und zum Karierre-Kombinator aus Sport und Comedy Oliver Welke im Interview des Deutschlandsfunks ein weiteres witziges Interviews führte auch der Tagesspiegel mit ihm.

Screenshot des Hassbooks von Gernot Hassknecht

Screenshot des Hassbooks von Gernot Hassknecht

In allen Artikel wird aber auch nicht der sich ständig aufregend schreiende Gernot Hassknecht vergessen. Auf der zdf-heute-Website wird er auch mit seinem eigenen „Hassbook“ entlohnt. Dort findet man witzige Videos und Beiträge des Langzeit-Cholerikers, die anstatt mit dem Like-Button mit „Einem Scheiß!“ ins Ranking gehen… „144 andere regt das auch auf“. Wie man in zwölf Klicks zum Nachwuchs-Choleriker wird, kann man hier lernen. Außerdem kann man ihm Beschwerde-Themen schicken, über die Hassknecht sich für einen aufregt – im Beschwerde-Generator.

Mit über einer Viertel Million Likes (278.000) auf Facebook ist die heute-show auch auf Social Media aktiv und mit Fans in Kontakt. Twitter halten sie mit ca. 6900 Followers auf dem Laufenden. Na dann, bis nächsten Freitag halb 11!

Die Briten sehen keine grauen Wolken

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland zwischen Kulturunterschieden und Transmedialität

Der Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2014Gestern besuchte ich den Medientreffpunkt in der media city Leipzig des MDRs. Dort diskutierten und prognostizierten gestandene Medienleute über die aktuellen Entwicklungen in der Branche. Die Frage der Schnelllebigkeit des Internets und die Vor-und Nachteile der Konvergenz verschiedener Medien stand im Mittelpunkt. Können Inhalte durch die Geschwindigkeit in der heutigen Zeit noch qualitativ gut entstehen? Wie verändert sich die Nachrichtenwelt durch diese Dynamik? Und was muss den Zuschauern in Anpassung auf den digitalen Markt alles geboten werden?

Ist das eine gute Story? Vor dieser Frage stehen Redakteure und Produzenten häufig. „Es gibt kein Erfolgskonzept.“, meint Felix Wesseler, Pressesprecher von filmpool. Diese Fernsehproduktionsfirma wirkt bei der RTL2-Serie „Berlin Tag & Nacht“ mit, die zwar einerseits sehr in der Kritik steht, andererseits aber genau die aktuellen Anforderungen an eine Serie bedient – die Vernetzung von Fernsehen mit Online, wie die Verbreitung über Soziale Netzwerke. Die Anzahl der Facebook-Fans bestätigen dies. Allgemein ergeben sich durch die Transmedialität, also dem Verbinden, Austauschen und Vorantreiben durch verschiedene Medien, neue Ebenen für journalistisches und fiktionales Storytelling. Man kann durch verschiedene Erzählweisen die Geschichte aus mehreren Perspektiven betrachten und durch die Kommunikation auf Social Media auf die Zuschauer direkt eingehen. Michael Geffken von der Leipzig School of Media meint dazu, man müsse sich aus den journalistischen Strukturen lösen, sich etwas trauen und innovativ sein. Auch Felix Wesseler spricht hierbei aus Erfahrung: „trial and error“ – immer wieder neues ausprobieren und daraus lernen. Nur dadurch sieht man auch den wirtschaftlichen Erfolg dahinter. Auch Wesseler meint: der digitale Aufwand ist immer noch günstiger als die klassische Produktion und dadurch kann eine größere Zielgruppe erreicht werden.

Doch wie kann das Fernsehgeschäft in die Zukunft blicken?

Ein Faktor war für alle Referenten klar: Weg von „Lean-Back“, raus aus der zurücklehnenden Position und auf zu neuen Formaten. Denn genau Serien haben dafür das Potenzial mehrere Medien zu verbinden und somit transmedial auf dem Markt zu wirken. Patrick Möller, Berater im Netzwerk Transmedia Storytelling Berlin, prognostiziert für die Zukunft weniger Filme und mehr auf den Zuschauer angepassten Content. Es wird also weg von der linearen Nutzung des Fernsehens gehen und das wird die Herausforderung für das TV-Geschäft sein.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch für die Nachrichtenwelt ist diese Vernetzung von großer Bedeutung. Gerade diese Branche lebt von der Geschwindigkeit und den technischen Möglichkeiten der heutigen Zeit. In dem dazugehörigen Panel zeigten sich durch die Referenten aus Deutschland (dpa, n-tv, MDR) und England (BBC) auch kulturellen Unterschiede in der Medienbranche. Moderator Sergej Lochthofen versuchte immer wieder die Probleme für die Medien, die durch die Geschwindigkeit entstehen, zu thematisieren – Richard Porter von BBC Global News zeigte jedoch seinen Optimismus für diese Veränderungen. Er stellt vor allem die Zuschauer in den Vordergrund, denn die Medien tragen die Verantwortung dafür, dass diese gut und faktentreu informiert werden. Porter möchte dabei nicht bedauern, sondern viel mehr profitieren. Die Digitalisierung ermögliche uns viel schneller und einfacher zu publizieren. Wichtig ist dabei der Umgang mit Inhalt, diesen trotz Zeitdruck richtig und mit genug Hintergrund darzustellen. Darauf würde das Publikum auch vertrauen und somit zum Medium zurückkommen, meint der BBC-Controller aus eigener Erfahrung.

Bedroht die Netzfreiheit den Nachrichtenmarkt?

Oft komme die Vermutung hoch Google, Twitter und Facebook seien durch ihre kostenlose Verbreitung von Nachrichten eine Konkurrenz für die Qualitätsmedien, so Moderator Lochthofen. Christoph Teuner von n-tv meint dazu: „Twitter und Co. sind zwar wichtig, aber man darf sie nicht überschätzen. Das Fernsehen gilt immer noch als unser Massenmedium.“ Er sieht dadurch zwar eine gewisse Relevanz, jedoch das Kerngeschäft nicht gefährdet, denn der Inhalt von diesen Online-Angeboten ist nicht vergleichbar. Trotzdem muss man unter diesen Angeboten auch immer wieder auffallen, lenkt Lochthofen um. Wo ist der Grad zwischen guten Storytelling und aufgeblähter Dramaturgie? Richard Porter von BBC meint dazu, man müsse zwar Aufmerksamkeit erregen und mit Leidenschaft und Authentizität erzählen, aber immer noch im korrekten journalistischen Rahmen, also in Abgrenzung zu Meinung und Übertreibung.

Dadurch ergibt sich ein gemeinsames Fazit. Es geht immer um eine gute Story, aber auch um relevanten Inhalt. Es geht um die Zuschauer und Nutzer auf verschiedenen Plattformen und darum das Potenzial der Neuentwicklung der Medien herauszuholen und zu nutzen, gleichwohl in Nachrichten, Serien oder Filmen. Denn eins ist klar – die Medien sind ständig im Wandel und es liegt auch in ihrer Verantwortung den Trends gerecht zu werden und sie zeitgemäß umzusetzen.

 

Bilder: Privat, auf Anfrage freizugeben