Zwischen zweimal Zuhause

Heute ein selbstgeschriebener Artikel mit ein paar philosophischen Gedanken, vielleicht habt ihr ja auch welche beizutragen!

Klackende Schuhe, Berlin_Wikipediarollende Koffer und englische Wortfetzen schwirren um mich herum. Das Gefühl von Lifestyle, Jetsetting und einer Großstadt: Berlin. Als kleiner Mensch gehe ich zwischen den Menschmassen unter oder gehe ich genau darin auf? Ist diese Stadt ein Abstellgleis in meinem Leben oder ein Zufluchtsort, eine Heimat? Ist es immer noch die gleiche Heimat wie als ich letzten Mal hier war? Wie und wodurch ändert sich dieses Gefühl?

Als Student und junger Mensch ist man heutzutage immer mehr auf Reisen, hat mehr Möglichkeiten die Welt zu sehen. Doch verliert man dadurch das eigene Zuhause oder wird es dadurch erst recht bestärkt?

Bis jetzt habe ich persönlich schon beide Erfahrungen gemacht. Nach meinem Sommer-Aupair in Frankreich kam ich nach Berlin zurück und war erschlagen von der Großstadt. Aus dem 3000-Seelen-Dorf Mutzig fühlte es sich fast so an wie ein Kulturschock. Zu viele Menschen, zu viel Stress, zu viel los. Nach meinem Australienjahr war ich hin- und hergerissen und jetzt, wenn ich aus meinem beschaulichen Studentenleben im sächsischen Mittweida mit knappen 15000 Einwohnern wiederkomme, geht mein Herz auf. Berlin fühlt sich vollkommen an wie meine Heimat – meine Stadt. Nichts mehr von den fremden Gefühlen wie letztes Jahr. Kein Zweifel, sondern immer wieder Sehnsucht. Aber teilweise auch nur weil man den Konsum der Millionenstadt so gewohnt ist, dass immer alles verfügbar ist. Genau im Vergleich von Klein- und Großstadt zeigen sich diese unterschiedlichen Lebensweisen. Wenn mal nicht alles da ist, heißt das gleich, es ist schlecht?

Andererseits gibt es dadurch keine Ablenkung. Berlin ist zwar hipp, aber auch einfach so groß und unüberschaubar, sodass man schnell die Zeit verliert im Erledigungsstress. In Mittweida geht alles seine Wege, einfache Wege halt… aber auch immer die gleichen. Es gibt unterschiedlichste Auswirkungen nach einer längeren Zeit, die man nicht da war. Vor allem die Erfahrungen, die man anderswo gesammelt hat, sind entscheidend. Das Leben, das man dort führte – war es erfüllt? oder war ich auf mich allein gestellt? Genau dieser Aspekt der Gemeinschaft, der Zuflucht, die man findet und das dies einen glücklich macht, lässt den Ort die eigene Heimat vergessen oder ihn selbst zu einer machen… Wenn man viel auf sich allein gestellt ist und viele Fragen im Kopf herumschwirren, kann das manchmal ein Reiz sein aber öfters doch die Heimat vermissen lassen. Aber wenn man beide Zustände verbinden kann, kann das „Jetsetting“ auch schön sein.

Ich denke dieser Ausgleich ist genau das richtige. Die schnelle, rasende Metropole, die voller Möglichkeiten und purem Leben steckt und das ruhige, gelassene Kleinstädtchen mit Konzentration auf das wirklich wichtige. Zwar kann es nicht das ganze Leben so gehen, aber für den Moment ist es gut. Das zwischen zweimal Zuhause schweben gibt einen Reiz, eine Spannung und auch Vorfreude. Es ist auch ein Gefühl wie „coming home for…“. Man hat an einem Ort viel erledigt und kann sich an dem anderen von vielen Dingen berauschen lassen. Es ist nie etwas vollkommen abgeschlossen, man kommt immer wieder zurück und immer wieder wartet etwas oder jemand auf einen am anderen Ort. Genau diese Mischung ist manchmal wichtig im Leben.

Grossstadt

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