Erfrorene Erinnerungen in Hoheneck

Eine Führung durch das DDR-Frauengefängnis Hoheneck

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Kalt. Kalt ist es den grauen Beton langzulaufen, die hohen Mauern zu betrachten und nichts als Verlassenheit zu finden. Nur kleine Lichtstrahlen durchströmen die langen Gänge des Gefängnisses in Hoheneck. Hier saßen über 1000 Frauen in Gefangenschaft des DDR-Regimes – Schwerverbrecherinnen mit unschuldig Verurteilten zusammen auf kleinsten Raum. Eine Frau, wegen vierfachen Tods auf lebenslang verurteilt teilt sich die Zelle mit einer politisch Angeklagten, die wegen Mitwissenschaft zur Fahnflucht verurteilt wurde (25 Jahre).

Alle wurden sie auf gleiche Weise bestraft, gepeinigt und beleidigt. Drei Tage Dunkelkammer und einen Tag lang in eiskaltem Wasser stehen – diese Strafen in Hoheneck waren mit die härtesten der DDR. Alle Inhaftierten galten als Kriminelle. Bei den sogenannten Zellenrazzien wurden sie körperlich „untersucht“, d.h. nackt ausgezogen und diskriminiert, so wird es im Buch „Der dunkle Ort“ von Dirk von Nayhauß und Maggie Riepl beschrieben.

IMG_9058 - KopieBeim Gang durch das Gefängnis fühlt man die Ausweglosigkeit der Gefangenen. Es wird kälter. Die Gänge immer grauer und dunkler. Die Insassen hatten wenig. Auch das Essen war kanpp, meistens Suppe und ein bisschen Brot. Reden untereinander war strengstens verboten. Ein klarer Tagesablauf mit kaum bezahlten, langen Arbeitszeiten regelte das Leben der Frauen. Dauernd wurden sie überwacht und nur weil manche von ihnen mal eine eigene Meinung hatten und nicht dem sozialistischen Gedanken gehorchten. Still gehalten wurden sie mit regelmäßig verabreichten Dosen an Psychopharmaka.

Manche fühlten sich bedroht von Zellengenossen, andere sagen, sie hätten es ohne die Gemeinschaft untereinander nicht überlebt. Herr Schreckenbacher, der Führungen durch das heutige Gebäude in Hoheneck gibt, erzählt von heimlich gebauten Kekskuchen und gärenden Weinen unter den Holzdielen. Die Kameradschaft hielt sie zusammen, auch wenn die Schlafplätze irgendwann so gering wurden, dass die Frauen auf dem Boden oder auf Strohsäcken schlafen mussten. Immer mehr wurden eingeliefert, obwohl nur für 600 Platz war.IMG_9061

Es gab jedoch auch kleine Lichtblicke: zum Beispiel zehn Minuten Frischluft am Tag. Ein Hungerstreik der Gefangenen im Jahre  1953 verbesserte die Haftbedingungen ein wenig. Eine Amnestie im folgenden Jahr entließ einige in die „Freiheit“ oder sie die BRD kaufte sie in den 60er Jahren frei.

Doch getrennt waren sie immer noch von der Familie und ihrem Leben draußen. Auch neugeborene Kinder auf der Entbindungsstation in Hoheneck wurden meist an SED-treue Adoptiveltern weggegeben. Viele Fluchtversuche gab es, aber keiner entkam. Der Führungsleiter Herr Schreckenbacher zeigt seinen Besuchern die Mauern um das Grundstück des Frauenzuchthauses. Er erzählt auch von vielen Selbstmorden und dass es keine Sicht auf Entlassung gab – die Inhaftierten hatten kein Zeitgefühl.

Auf kleinste VerstoßeIMG_9090 - Kopie drohten Strafen wie die Wasserzelle – heutzutage ist der Boden geschimmelt und  leer. Doch die Frauen mussten dort bis zu drei Tagen ausharren ohne Essen, ohne Trinken. Viele erlitten Unterleibserkrankungen, Blutergüsse oder erfrorene Füße. „Das war das schlimmste“, meint Herr Schreckenbacher.

Im Jahre 1989 zählte Hoheneck noch 400 Inhaftierte, nach dem Mauerfall entließ man auch die letzten 170 politisch Gefangenen. Danach wurde es bis zum Jahre 2001 weiter als Gefängnis, auch für männliche und ausländische Täter, betrieben. Daraufhin kaufte es ein Investor mit dem Plan eines Hotels. Viele kritisierende Stimmen ließ es jetzt aber dem Besitz der Stadt Stollberg zukommen, um die Grundidee einer Gedenkstätte zu errichten. So wünschen es sich auch ehemalige Hoheneckerinnen, die über ihre Schicksale im Buch „Der dunkle Ort“ berichteten und noch heute von der Zeit geprägt sind.

Diesen Bericht verfasste ich im Rahmen der Geschichtsveranstaltung meines Volontariats bei der Mitteldeutschen Journalistenschule.

Mein Beitrag wurde im Februar 2016 nochmal für eine Veranstaltung der  Sächsische Landeszentrale für politische Bildung aufgegriffen. Mein Blogbeitrag dazu hier.

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Eine Dokumentation von Tagesschau24: Video „Frauen von Hoheneck“
Ein WordPress Blog zu Hoheneck hier
Artikel dazu von der Berliner Morgenpost hier

Poetry Slammerin Julia erobert Youtube

„Los schreiben wir Geschichten, die wir später gern erzählen“ – mit diesen Worten verzauberte Julia Engelmann beim Bielefelder Hörsaal-Slam das Publikum. Zwar wurde das Video schon im Juli 2013 veröffentlich, durchströmt jetzt aber erst die Medien. Mit fast 2 Millionen Klicks schaffte die Psychologiestudentin es heute zu RTL Aktuell aber auch in viele Online Portale.

Weitere Artikel in Hamburger Abendblatt, Focus, Welt, Berliner Zeitung und rp-online. Aber am besten selbst vom Video verzaubern lassen!

„Wer betrügt, der fliegt“ – CSU-Devise beliebt

Nach einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag vom BR läge die CSU mit 49% auf der „Beliebtheitsskala“ im Freistaat deutlich vorne. SPD (19%), Grüne (10%) und die Freien Wähler (9%) stellen sich hinten an. Grund dafür sei der neue Slogan der Partei in der Zuwanderungsdebatte „Wer betrügt, der fliegt“, so der Spiegel. Mehr dazu hier.

Kommentare dazu wie:  „Schon die Verwandtenaffäre innerhalb der CSU vergessen? Ja ja, wer betrügt, der fliegt!“ (15.01., 15:27 von epic_fail)  und weitere Diskussionen hier.

Schon letzte Woche haben Zahlen von Zuwandererwachstum die Aufmerksamkeit geweckt. 80,8 Millionen Einwohner soll Deutschland am Jahresende zählen. Mehr zum Hintergrund der Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zeigt faz.net hier.

Kontostand entscheidet über Einzug in US-Kongress

Dass im politischen System der Vereinigten Staaten viel durch Geldgeber entscheidet wird, weiß man ja schon. Aber nun Repräsentatenhaus_USAfand eine Studie des amerikansichen „Center for Responsive Politics“ heraus, dass jeder zweite Abgeordnete des US Kongresses Millionär ist. Welche anderen finanziellen Voraussetzungen noch den „Kampf“ um einen Abgeordnetenplatz entscheiden hier. _HuffPo

Kommentare wie „our politics has become our crutch […] democratic principals run amok in this republic“ oder „if your not a millionaire in America, your lazy“ sowie „we need to flush the toilet of both parties and get new blood in our nations top offices“ zeigt eine interessante Disskusion auf opensecrets.org

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Etwas über den reichsten Abgeordneten, den Republikaner Darrell Issa, und warum Gesetze in diesem Geschäft nicht gelten: FAZ.net

Neue „Elite“-Website von Arianna Huffington& Karstadt

Und noch ein Newsportal von Huffington? Oder eher: HuffPo reloaded?

Eigentlich soll hinter der neugeplanten Website „World Post“ eine Elite angesprochen werden, so stellen sich das die amerikanische Investorin Arianna Huffington und Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen vor. Huffington brachte schon ihre in Amerika erfolgreiche „Online-Zeitung“ Huffington Post im Oktober 2013 auf den deutschen Markt. Nun soll mit Berggruen eine internationalere Variante mit mehr Meinung und mehr News folgen!

Eine neutrale Sicht gibt SpiegelOnline….aber Kommentar lassen für sich sprechen: Huffington_Spiegel

Ob Ego-Stärkung, reiner Gewinn oder wirklich das Interesse an der Meinung des arbeitslosen Spaniers steckt? Wir wissen es nicht…

Mehr dazu auf – The Guardian –

https://i0.wp.com/www.lousypennies.de/wp-content/uploads/2013/09/280x411xArianna_Huffington.jpg.pagespeed.ic.CAugynM42U.jpg    &    https://i2.wp.com/data.amirite.net/quote_author_images/527e6d6e888de.jpg

Macht Besitz glücklich?

Diese immer wieder interessante Frage thematisiert János Kereszti in einer einstündigen Dokumentation, welche gestern um 23.15 Uhr auf Phoenix lief. Er beschäftigt sich mit den Fragen wann und wie viel Besitz glücklich macht und befragt mehrere Personen, von einfachen Passanten über das Model Sarah Nuo bis hin zu Multimillionären in Abu Dhabi.

„Was sagen Menschen, die in Wohlstand leben? Und was die, die sich bewusst von Besitz verabschiedet haben? János Kereszti reist von der Ostseeküste bis in die bayerischen Berge. Sogar bis nach Abu Dhabi folgt er einer reichen Unternehmergattin aus dem Allgäu.“

„Dreck losgeworden“: Kim Jong Un über die Hinrichtung seines Onkels

In seiner Neujahrsansprache verteidigte der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un (30) die Hinrichtung seines Onkels damit, dass „die Parteiführung spalterischen Dreck losgeworden ist“. Durch diese Säuberung habe sich der Zusammenhalt von Partei und Land verstärkt, so auch die Rheinische Post. Kim Jong Un_RP Online

https://i0.wp.com/www.neontommy.com/sites/default/files/kim%20jong%20un.jpg creative commons

Das Video zur Neujahrsansprache vom 01.01.2014