Bachelor done: Was ist die Zukunft für Darstellungsformen in Newsportalen?

baMultimedia, Storytelling, Snapchat – wenn Journalisten etwas „Neues“ entdeckt haben, müssen es alle Redaktionen nachmachen. Interessant zu beobachten, wer wie schnell mitmacht. Da spielt der Faktor Geld eine entscheidende Rolle. So war der Spiegel schon vor Jahren bei Datenjournalismus und Multimedia Storytelling gut aufgestellt. Die lokalen Redaktionen wie die Berliner Morgenpost rückten nur langsam nach. Erstaunlich bleibt es aber zu beobachten, wie unterschiedlich, Darstellungsformen in Newsportalen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten verwendet werden. Wer ist besonders interaktiv? Wer hält seine Leser mit Liveblogs up-to-date und wer bindet Social Media am besten ein?

Damit habe ich mich in meiner Bachelorarbeit zum Thema „Journalistische Darstellungsformen in Newsportalen“ beschäftigt. Drei Monate wissenschaftliche Literaturrecherche und Analyse standen vor mir. Yippie!

ba-portaleDafür habe ich die drei Newsportale „Berliner-zeitung.de“, „heute.de“ (ZDF) und „bento.de“ (das neue Portal für 18-30jährige vom Spiegel) analysiert. 240 Artikel. 2 Monate. 13 Kriterien.
Und um praxisnah zu bleiben, führte ich mit den jeweiligen Redaktionsleitern/-innen der drei Portale Experteninterviews. Mein Ziel war es, herauszufinden, welche journalistischen Darstellungsformen in Newsportalen verwendet werden und wie dies auf den Ursprung der Redaktion, ob Print, TV oder Online und öffentlich-rechtlich oder privat, zurückzuführen ist.

Meine 5 Kernergebnisse sind:

  • Strukturell liegt der Fokus vor allem auf Erklärbeiträgen („Explainern“), die z.B. durch Infoboxen, Zwischenüberschriften oder Links dem Leser schnell eine strukturierte Übersicht zum Thema geben
  • Gestalterisch liegt der Fokus auf Videos, das besonders durch die Sozialen Netzwerken verstärkt wird, die Redaktionen bauen ihre eigene Videoproduktion aus
  • die Bedeutung von Social Media wird immer größer, d.h. ihre Einbindung in Darstellungsformen aber auch der Umgang von Newsportalen mit Social Media, also mit den Lesers und Trends, die sich dort verstecken
  • Interaktivität ist ein vielfältiges, sehr relevantes Stichwort – der Leser möchte selbst im Text navigieren und die Nähe zum Medien bzw. zur Community wird durch Social Media immer wichtiger (personalised content)
  • Probleme des Journalismus hängen mit den verankerten Strukturen vieler Medienhäuser zusammen, dadurch haben es Newsportale aus klassische Medien z.B. schwieriger, sich an die neuen Entwicklungen anzupassen

Dazu ein ganz passendes Zitat von dem heute.de-Chefredakteur Michael Bartsch:

        Wenn man jetzt ein Nachrichtenangebot neu aufbaut, ist das leichter als einen Sender wie das ZDF umzubauen.“

Doch wie bin ich vorgegangen und was kam dabei raus?

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Meine Forschungsfrage

Meine Forschungsfrage lautete: Welche journalistischen Darstellungsformen werden in Newsportalen verwendet? Im genaueren ging es darum was von den klassischen Formen adaptiert wird und welche neuen Formen durch den technischen Fortschritt entstehen. Reizvoll fand ich dieses Thema, weil man an den Darstellungsformen in Onlinemedien erkennt, wie Medien im Wandel sind. Aktuell habe ich dies vor allem bei der neuen Tagesschau App 2.0 gesehen. Interessanterweise haben sich meine Forschungsergebnisse aus dem Zeitraum von Mai bis Juli 2016 in der App-Veröffentlichung im Dezember 2016 gezeigt. Darauf werde ich später nochmal zurückkommen.

Des Weiteren sind Darstellungsformen in kommunikationswissenschaftlicher Hinsicht interessant, da sie so ein großes Potenzial für unterschiedliche audiovisuelle, emotionale Elemente für den Leser bieten. Vor allem die neuen Medien und die Mulitmedialität, die sich durch Digitalisierung ergibt, sind hierbei als Stärke zu sehen und nicht als Hürde oder Angstfaktor, alles verändern zu müssen. Genau auch diesem Problem wollte ich auf den Grund gehen. Durch meine praktischen Tätigkeiten in Medienbetrieben wie dem Tagesspiegel und dem ZDF, bin ich immer wieder dem Generationsunterschied in Medienunternehmen begegnet. Oft ist es schwer für etablierte Journalisten, die ihre Routine aus den 90er Jahren gewoht sind, neue Veränderungen der quirligen, jungen Medienmacher zu akzeptieren. Oft werden Trends aus Social Media, die Revolution des Selfiesticks oder Eigendarstellungen auf Youtube nicht als wertvolle, sozio-kulturelle Phänome gewertschätzt.

Deshalb fand ich es spannend, den unterschiedlichen Meinungen durch Expertengesprächen auf den Grund zu gehen. Absichtlich habe ich dafür drei sehr unterschiedliche Newsportale ausgewählt: berliner-zeitung.de als Onlineredaktion einer Zeitung mit dem Problem der Zusammenarbeit zwischen Print und Online, heute.de als öffentlich-rechtliches Portal des ZDFs, das nicht nur durch die rechtlichen Strukturen in der Entwicklung gebremst wird und bento.de als völlig neues, jungen Newsportal vom SPIEGEL, das gern mit neuen Darstellungsformen experimentiert.

Mit welcher Literatur habe ich recherchiert?

Für meine Grundlagenforschung habe ich mich an Fachbüchern über Darstellungsformen (Müller, Horst: Journalistisches Arbeiten/ Fasel, Christoph: Textsorten, in: Wegweiser Journalismus) bedient. Dadurch konnte ich im ersten Teil die verschiedenen Textsorten definieren und dies als Grundlage für weitere Formen nehmen. Für die Abgrenzung der moderneren Formen, die sich durch zahlreiche Medienphänomene entwickeln, habe ich auf aktuelle Literatur aus den vergangenen zwei Jahren zurückgegriffen wie z.B.  Gabriele Hooffacker „Online-Journalismus“ oder Nea Matzen „Onlinejournalismus“.

Für die Entwicklungen in Bezug auf die Darstellung journalistischer Texte durch sie Sozialen Medien verwendete ich für die Recherche das Buch von Stefan Primbs „Social Media für Journalisten“. Aber auch Multimedialität, das heißt Geschichten mit Hilfe mehrerer Medien wie Text, Foto, Video und Audio zu erzählen, spielte in meiner Fragestellung eine große Rolle. Dort half mir die wissenschaftliche Grundlage des Buches von Barbara Witte und Martin Ulrich „Multimediales Erzählen“ weiter.

Des Weiteren bediente ich mich vor allem an Fachmagazinen wie dem journalist oder kressreport. Vor allem die Artikelreihe von Marvin Milatz und  Olaf Wittrock namens „Die Zukunft des Nachrichtenjournalismus“ hat einige Erkenntnisse aus meiner Forschung bestätigt und mir viele Impulse gegeben.

In Hinsicht auf statistische Werte, die meine Darlegungen untertstützen sollten, griff ich auf die ARD / ZDF-Studie Massenkommunikation 2015 und IVW Online zurück, die sehr verlässliche Zahlen über die Medienforschung geben. Daran konnte ich sehen, welche Darstellungsformen besonders beliebt sind, indem die Nutzungsdauer oder Kaufzahlen gemessen werden.

Last but not least, habe ich viele Blogs und Medienportale gelesen, um ich thematisch mit dem Forschungsthema und vor allem den momentanen Veränderungen sowie den Ideen und Mutmaßungen für die Zukunft auseinanderzusetzen. Für besonders aktuelle Themenimpulse in der Medienbranche, allerdings nicht unbedingt verifizierbare Quellen, sind Blogs etc. angebracht. Denn den Entwicklungen von Snapchat, Periscope oder Virtual Reality kann die etablierte Litertaur nicht so schnell nachkommen wie das Internet. Dabei sind vor allem Berichte von Richard Gutjahr und t3n in meine Abschlussarbeit eingeflossen.

Was und wie habe ich analysiert?

Neben der Literaturrecherche, habe ich eine Analyse von drei Newsportalen durchgeführt. Der Zeitraum war auf zwei Monate ausgelegt und umfasste am Ende 240 analysierte Online-Artikel. Dabei habe ich nach drei Kriterien ausgewertet: die Art der Darstellungsform – was meine zentrale Forschungsfrage betraf, die Einbindung von Social Media sowie die Interaktivität, das vor allem meine Ergebnisse für Online-Darstellungsformen unterstützte, die für den Erkenntnisgewinn der Arbeit in Hinblick auf die Entwicklung von Darstellungsformen in der Zukunft wichtig sind. Mein Ziel der Analyse war es die Erkenntnisse in der Verwendung von Darstellungsformen je nach Ursprung des Newsportal zu differenzieren, wozu ich im ersten Absatz (Forschungsfrage) einige Erklärungen gegeben habe.

In meine Auswertung lies ich die Aussagen aus den drei Expertengespräche einfließen und konnte somit meine Analyseergebnisse damit in Verbindung bringen und Gründe für meine Annahmen finden. Zudem habe ich zwei Schwerpunkte für die zukünftige Verwendung von  Darstellungsformen in Onlinemedien gesetzt.
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Was habe ich herausgefunden?

Zum einen habe ich einen Fokus auf Videos feststellen können, da diese audiovisuelle Form vor allem in Zeiten des Smartphones und schnellen Rezipierens von Erfolg spricht. Dieser klare Trend hin zu mehr Videos ist auch schon in vielen Newsportalen zu sehen, zum einen auch durch Zusammenschlüsse wie „Welt“ und „N24“. Zum zweiten habe ich einen Fokus auf Erklärformate festgestellt, da die Nutzer zwar schnell Informationen aufnehmen wollen, es eine sogenannte „Lückennutzung“ (Zitat aus dem Expertengespräch mit heute.de-Redaktionsleiter Michael Bartsch) entsteht, der Leser dennoch einfache Erklärungen und Hintergrundinformationen wünscht.

Hierbei kann ich nur wieder auf die neue Tagesschau App 2.0 zurückkommen. Die Startseite zeigt ca. 10 Kurz-Nachrichten in Form von 3-4 Videoschnipseln mit kurzen Bildtiteln, beim Anklicken kann man weitere Informationen und Videos lesen. Genau dieses Format vereint die zuvor dargestellten Ergebnisse: der Fokus auf Videos sowie auf Erklärformate, sozusagen entsteht ein Video-Erklärformat, gleichzeitig ist die Interaktivität gegeben, da der Leser selbständig in den Nachrichten navigieren kann (ein bisschen wie bei Instagram Stories) und zudem ist die Einbindung von Social Media stets gegeben.

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Ausblick: Wo geht es hin und wo könnte weiter geforscht werden?

Im Ausblick habe ich die möglichen weiteren Einflussfaktoren für die Zukunft von Darstellungsformen aufgezeigt. Relevante Entwicklungen sind z.B. durch Snapchat und Virtual Reality zu erwarten. Eine Herausforderung wird es sein, die junge Zielgruppe anzusprechen, das diese sich meist nur noch in den Sozialen Medien aufhält. Zudem werden Wearables, wie die Smartwatch oder Datenbrillen, immer relevanter, da sie mit den kurz, frequentierten Meldungen (siehe Tagesschau App 2.0) verbunden werden können.

Weitere Forschungen hätten in der zweigeteilte Herausforderung der Sozialen Netzwerke für Newsportale gemacht werden können, da dort einerseits die Verbreitung von Inhalten stattfindet und mit den Nutzern in Kontakt getreten wird und andererseits diese als Quelle für Inhalte neuer Trends, Diskussionen oder Bilder und Videos benutzt werden. Dadurch könnten Soziale Netzwerke in ihrer aktive und passiven Rolle in der Medienlandschaft analysiert werden.

–> Hier Bachelorarbeit als pdf herunterladen

Quelle: Fritsch, Lisa: Journalistische Darstellungsformen in Newsportalen, Mittweida 2016

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Gegen Smartphone Unfälle: #kopfhoch

Einmal zu viel aufs Handy geschaut und schwupps die Stufe übersehen. Nicht selten stolpert, stürzt, stauchert der Smartphone User im Alltag und das vor allem die junge Generation. Aus einer neuen Studie der TU Braunschweig, die dem NDR vorliegt, geht hervor, dass immer mehr Menschen sich vom Smartphone im Straßenverkehr ablenken lassen. Mit fatalen Folgen!

Auch ABC News hat ein paar merkwürdige Mißgeschicke abgelichtet:

Jeder dritte Fußgänger guckt aufs Handy geht laut einer Studie aus den USA hervor. Dabei wurden Passanten im Straßenverkehr beobachtet. Genauso gingen die Braunschweiger Wissenschaftler auch vor – sie protokollierten bei rund 12.000 Autofahrern die Nutzung des Smartphones am Steuer. 4,5 Prozent von ihnen hatte während der Fahrt das Handy in der Hand. Nicht nur das Telefonieren ist ein Grund, auch die vielzähligen Apps, Messenger und Co. lenken vom Verkehr ab. Schon aus einem Bericht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ging im vergangenen Jahr heraus, dass solche Applikationen neues Gefahrenpotenzial verursachen.

Strengeres Handyverbot und mehr Kontrollen

Gerade bei den jungen Autofahrern zwischen 18 und 24 Jahren ist ein Unfall doppelt so wahrscheinlich wie bei älteren. In einem Beitrag des WDR hat der Verkehrsforscher Michael Schreckenberg die Ablenkung durch das WhatsApp oder Facebook sogar mit dem Konsum von 0,8 Promille Alkohol verglichen. Deshalb verlangt ein Großteil der Innenminister jetzt eine Erweiterung des Handyverbots am Steuer, wie es aus einer Umfrage des NDR herausgeht. Bis jetzt wird der erwischte Autofahrer mit einem Bußgeld von 60 Euro und einem Punkt bestraft. Der Laptop oder das Tablet sind nämlich (noch) nicht verboten, weitere Vorschriften hat BILD zusammengefasst.

Im Gegensatz dazu fordert  der Vorsitzende der Verkehrministerkonferenz, Christian Pegel (SPD), statt höheren Strafen mehr Kontrollen: „Wir werden den Verfolgungsdruck deutlich erhöhen müssen. Dass der Bußgeldkatalog da uns riesig weiterhilft, solange nicht die echte Sorge begründet ist, dass man ertappt wird – davon gehe ich nicht aus“, sagte er im ZDF.

#kopfhoch

Aus diesem Grund startete N-JOY, das junge Radioprogramm des NDR, eine Kampagne zu mehr Vorsicht am Steuer:

Also #kopfhoch und Augen auf!

Kritik an Lichtern für Belgien

Nach den Terroranschlägen in Brüssel geht die Fahndung nach den Verdächtigen weiter. Bis jetzt bekannt ist, dass die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui sich selbst in die Luft gesprengt haben, ein weiterer Täter, Najim Laachraoui, sei auch noch am Anschlagsort gestorben. Nach dem vierten Verdächtigen wird noch gesucht, er soll auf dem Weg nach Frankreich sein. Alle drei identifizierten Attentäter sind in Belgien geboren und haben Verbindungen zu den Verantwortlichen des Anschlags in Paris vor vier Monaten.

Die Zahl der Toten ist auf über 30 angestiegen, unter den 300 Verletzten sind auch Deutsche. Seit dem Anschlag trauert Belgien um die Opfer – weltweite Anteilsnahme sprachen Länder wie Frankreich, Saudi-Arabien und Mexiko durch die Erleuchtung der Wahrzeichen aus, wie hier in Berlin:

Aber dafür gab es auch Kritik. In vielen Kommentaren fragen die Leser (Berliner Morgenpost), warum nicht auch die Flaggen von Türkei, Syrien oder Kongo, wo auch tausende Menschen Opfer des Terror wurden, an die Gebäude geleuchtet werden. Wie auch Sarah und Theresa bei Twitter:

Dem deklarierten Grund der Solidarität entgegnen viele dass „es den Familien der Opfer doch ganz bestimmt helfe“. Provokant zeigen sich auch viele Fragen, welche Farben denn das nächste Mal dran sind. Die Angst vor einem neuen Anschlag steigt.

Das Geschäft mit Likes und Klicks in Social Media

scheinwelt-facebook.pngSchon seit ich blogge finde ich dieses Thema interessant. Sind die Tausenden von Likes und Klicks bei Facebook, Twitter oder YouTube wirklich echt? Was steckt hinter der Marketing-Masche „werde berühmter für 50 €“ oder „boost your page with 1000 new likes“? Stecken dahinter echte Profile und wenn ja, woher kommen diese?

Diesen Fragen ist die ZDF info Doku in Zusammenarbeit mit einer französischen Filmproduktion aus Paris auf mehreren Kontinenten nachgegangen. Mit eigener Recherche, einer Fake-Band und Kontaktpersonen in Bangladesch und New York wird das Geheimnis hinter der gekauften Beliebtheit gelüftet? Und es bleibt nicht nur eins:

Oder in der ZDF mediathek unter: http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2633392/Die-Scheinwelt-von-Facebook-&-Co 

Auch in meiner Studienzeit bei unseren hochschuleigenen Onlineportal „medienMITTWEIDA“ sind wir dem Phänomen und den Agenturen, die die Likes gegen Geld anbieten, nachgegangen, wie z.B. in „Sein oder Schein – wie sozial ist das soziale Netzwek?“ oder mit mehr deutschem rechtlichem Bezug in „Freunde und Fans im Sonderangebot„.

Persönlich ist es für mich als Bloggerin auch immer wieder verlockend zu sehen, dass ich 500 mehr Likes in wenigen Stunden haben könnte aber da setze ich doch lieber auf die wahren Fans, die meine Beiträge auch wirklich lesen.

One Billion Rising – Tanzen gegen Gewalt an Frauen

2016-OBR-logo-no-datesSich bewegen, um etwas zu bewegen“ – so beschreibt es die Organisatorin von „One Billion Rising“ in Berlin, Bettina Lutze Luis Fernández. Mit ihren Tanzgruppen des „Centre Talma“ stand sie am Sonntag auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor. Darunter auch Melissa, 19, die im Kindesalter Opfer sexueller Gewalt wurde und der Macht eines Mannes ausgesetzt war. Heute geht sie gestärkt aus dieser schweren Zeit heraus und möchte mit der Tanzdemonstration „One Billion Rising“ ein Zeichen setzen. Ihre Geschichte und alles zu der Veranstaltung in Berlin hier im ZDF, mit meiner Mitarbeit als Praktikantin:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2670680/Tanzen-gegen-Gewalt#/beitrag/video/2670680/Tanzen-gegen-Gewalt

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2670680/Tanzen-gegen-Gewalt 

One Billion Rising wurde vor drei Jahren ins Leben gerufen und ist ein internationales Tanz-Event. In Deutschland wird in über hundert Städten für die Milliarde an Frauen getanzt, die täglich Gewalt oder Missbrauch erleben müssen – One Billion, jede dritte Frau auf der Welt ist betroffen. Gerade am Valentinstag, dem 14. Februar, erheben sich die Menschen um wach zu rütteln, dass in vielen Beziehungen etwas falsch läuft oder bei Gewalt an Frauen noch viel zu oft weggeschaut wird. Mehr dazu auf der offiziellen Website hier.

Nachwirken meines Hoheneck-Berichts

Vor zwei Jahren besuchte ich mit meiner Volotärsgruppe der Mitteldeutschen Journalistenschule das ehemalige Frauengefängnis in Hoheneck, südwestlich von Chemnitz. Das Leben in der Zelle, wie es den oft unschuldig inhaftierten Frauen erging und was aus der Haftanstalt nach dem Mauerfall geworden ist, beschreibe ich im früheren Blogeintrag hier.

Doch auch heute gibt es immer wieder Rückblicke auf diese bewegende Zeit der DDR. Die Geschichten der Frauen sind auch heute noch aktuell und vor allem wird immer wieder der Frage nachgegangen:

„Wie konnten diese unmenschlichen Strafen und maßlosen Haftzeiten den Frauen angetan werden?“

Auch diesen Donnerstag wird politisch und historisch diskutiert und zwar im Sächsischen Staatsarchiv in Chemnitz. Dafür sind die Veranstalter, u.a. die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, auf meinen Beitrag gestoßen und haben ihn für die Veranstaltungankündigung auf Facebook zitiert. Ich habe mich gefreut, dass ich dem wichtigem Auftrag der Verarbeitung unserer Vergangenheit und Geschichte und dem Dialog zu den Bürger etwas beitragen konnte.

slpb_facebook

Zur Facebookseite des SLpB

Zudem wird diese Zusammenkunft von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Stasi (BStU) veranstaltet. Darin spricht der Historiker Sebastian Lindner über die internen Abläufe und die Rolle des Vollzugspersonals im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck. Auch eine Zeitzeugin ist zum anschließendem Gespräch eingeladen. Die Veranstaltung steht unter dem Thema „Diktatur – Aufarbeitung und Systemvergleich: Das Frauengefängnis Hoheneck und die Stasi„.

Zur Veranstaltung

Reise durch den Dschungel der Sprachen

UÜbersetzen ist Leidenschaft, aber auch Herausforderungnsere Sprache ist wie ein Dschungel. Sie blüht immer wieder neu auf und wächst an ihrer Entwicklung über die Jahre. Als LiteraturübersetzerIn sitzt man wie zwischen zwei Bäumen und sucht von einem Ast den passenden auf dem anderen Baum. Doch welchen Weg geht man dabei? Welcher Ast führt zur richtigen Entscheidung? Mein zweiter Teil über den Beruf als LiteraturübersetzerIn.

„Die Qualität einer Übersetzung ergibt sich aus der Gesamtheit der unendlich vielen Einzelentscheidungen.“ Das sagt Maria Hummitzsch, eine der jungen Vorreiterinnen in der Branche der Übersetzer. Seit 2011 arbeitet sie als Literaturübersetzerin aus dem Portugiesischen und Englischen. Zuvor studierte sie Übersetzung, Afrikanistik und Psychologie in Leipzig. Jeder Text ist für sie eine Herausforderung. Immer wieder steht auch sie vor einer Astgabelung und muss sich entscheiden: Wie bringe ich den Satz mit der richtigen Wirkung ins Deutsche? Bleibe ich nah am Original oder entferne ich mich lieber? Oft muss man andere sprachliche Mittel verwenden um „treu zu übersetzen, da die Sprachen ganz unterschiedlich aufgebaut sind“, meint Hummitzsch. Dadurch wirke der Text glaubwürdiger, wenn die Originalstruktur nicht durchschimmert. „Denn paradoxerweise ist eine Übersetzung eben dann gut, wenn man ihr nicht anmerkt, dass es sich um eine Übersetzung handelt.“

Und wie geht sie zuallererst an einen Text heran? „Ich versuche herauszufinden, was in einem Text veranstaltet wird. Seine Haltung, Stimmung und Gesamtwirkung zu erfassen. Und dieselbe Wirkung muss auch die Übersetzung haben.“ Dabei muss auch immer unterschieden werden, welche Textsorte vorliegt: ob Roman, Lyrik, Drama, Comic oder Sachbuch, „jedes Genre hat seine Besonderheiten, die beim Übersetzen berücksichtigt werden müssen“, so Hummitzsch. Lyrik sei unter den Übersetzern die ‚Königsdisziplin‘, aber auch Dialoge müssen lebendig und nicht künstlich klingen oder Witze an der richtigen Stelle gesetzt sein. Grundsätzlich ordnet die Übersetzerin ein:

„Je literarischer, also poetischer ein Text, je mehr also die Sprache an sich das Kunstwerk ist, umso mehr zählt jedes einzelne Wort.“

Verantwortlichkeiten und Pflichten

Dabei fühlt auch sie sich für die richtige Übertragung verantwortlich, wie es schon Sabine Baumann im ersten Blogeintrag meinte – dafür verantwortlich, sich für den richtigen Ast im Sprachdschungel zu entscheiden. Zudem ist die Nähe zum Text auch in den meisten Übersetzerverträgen festgehalten. Darin heißt es oft:

Rechte und Pflichten des Übersetzers (§2)
1. Der Übersetzer verpflichtet sich, das Werk persönlich zu übersetzen und dabei die Urheberpersönlichkeitsrechte des Originalautors zu wahren. Die Anfertigung der Übersetzung durch Dritte bedarf der Zustimmung des Verlags.

2. Der Übersetzer verpflichtet sich, das Werk ohne Kürzungen, Zusätze und sonstige Veränderungen gegenüber dem Original in angemessener Weise zu übertragen.

Jedes Mal eine Horizonterweiterung

Nicht immer ist es einfach, doch eben diese Herausforderungen machen Maria Hummitzsch Spaß. Für sie bedeutet das eine „permanente Erweiterung des eigenen sprachlichen und geistigen Horizonts.“ So als würde die Baumkrone nicht nur selbst wachsen, sondern man auch mit ihr. Auch die Abwechslung und die unterschiedlichen Facetten des Berufs überzeugen.

„Man darf sich tagtäglich mit literarischen Texten und Sprache beschäftigen; erschafft neue Wörter, baut geliebte Wörter ein, lacht mit, wenn ein Witz gelingt, und freut sich, wenn man endlich die Lösung für ein kniffliges Wortspiel gefunden hat. Übersetzen ist ein permanentes Hinzulernen.“

Das größte Problem dabei

Nicht zum ersten Mal hört man von der schlechten Bezahlung der Übersetzer. Auch diese Problematik benennt Hummitzsch. Die Honorare stagnieren seit Jahren. Neben den ca. rund 1000 Euro monatlich ist meist eine weitere Tätigkeit nötig. Denn oft werden Übersetzer erst ab dem 5001 Exemplar am Verkauf beteiligt, der Großteil der Bücher aber verkauft sich weit unterhalb dieser Grenze.

Nicht nur die Produktion, auch der Übersetzer muss schnell seinDer Verband der Literaturübersetzer (VdÜ) hat mit mehreren Verlagen eine Allgemeine Vergütungsregel erarbeitet, die die Übersetzer ab dem ersten Exemplar mitbeteiligt. Diese wurde 2014 verabschiedet, sie wird allerdings längst nicht von allen Verlagen akzeptiert. Im Vorstand des VdÜ, der sich für eine bessere Vergütung einsetzt, wirkt auch Maria Hummitzsch mit, und betreut dort die Pressestelle. Außerdem ist sie im Organisationsteam der Deutsch-Brasilianischen Übersetzerwerkstatt und hat das Übersetzerzentrum auf der Leipziger Buchmesse mitgegründet.

Die Honorarsituation bezeichnet sie als „frustrierend und unzumutbar“, gerade auch weil der Druck in der Buchproduktion immer mehr ansteigt und keine Zeit mehr für die volle Entfaltung der gut ausgebildeten Übersetzer bleibt. Eine genaue Studie dazu gibt es auch hier. Der Beruf als Literaturübersetzer steht in einem Zwiespalt, wie es viele andere in der Kreativbranche tun. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wann die Leidenschaft dann doch überwiegt.

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Bildquellen: 1. Wikimedia , creative commons licensed 1.0, Quelle: pixabay, 2. Maria Hummitzsch, Foto: privat, 3. Wikimedia  „Book 06403 20040730154204“ von Nevit Dilmen – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons